Noch ehrlicher, wie soll das gehen?
Der Berliner Oranienplatz könnte noch einiges machen aus seinem Talent zum öffentlichen Ort. Das liegt hauptsächlich am um- und querlaufenden Verkehr, der die angrenzenden Cafés an die Seite drückt, statt sie Richtung Platzmitte rücken zu lassen. Aber auch die sogenannten Grünflächen sind so räudig und plattgelatscht, dass sie zu wenig mehr als zur Hundeausführstelle taugen – und als gelegentliche Demonstrationsfläche für unerschrockene Aktivist*innen.
Trotzdem, ganz früh an einem Kreuzberger Sommermorgen, unter rauchrosafarbenem Himmel, kann auch der Oranienplatz eine gewisse Poesie entfalten. Wenn am Straßenrand ein lindgrüner Mercedes 230 CE parkt, auf der Platzmitte ein altes Klavier steht, an dem jemand heiter-melancholisch vor sich hin improvisiert, und die Kamera einen Mann ins Visier nimmt, der über den Platz läuft, als wäre es zum ersten oder letzten Mal.
Dieser Mann ist der Modemacher Can Öztürk, genannt Cani wie Gianni Versace. So stellt er sich jedenfalls aus dem Off vor. Der hellblaue Anzug aus feinem Denim sitzt wie angegossen, der Hut dazu ist fast schon exzentrisch, die hellen Sneakers erden das Outfit wieder. Und dennoch erzählt der Körper noch eine andere ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2021
Rubrik: Akteure, Seite 32
von Eva Behrendt
Weil im Theater das Handy aus ist.
Weil ich andere atmen höre.
Weil wir den Atem gemeinsam anhalten.
Weil wir zusammen still sind.
Weil wir zusammen Hormone ausschütten.
Weil man sich leichter in Menschen verliebt, mit denen man Hormone ausgeschüttet hat.
Weil ich im Theater über etwas weinen kann, das mit mir nichts zu tun hat.
Weil ich im Theater nicht einsam...
Düsseldorf, orange-blaue Herbstnachmittagsstimmung. Stephan Kimmig fällt keine andere Parkbank ein als die direkt hinter dem Schauspielhaus, nach der Probe ist es entweder spät abends oder er fährt zurück nach Berlin. Da hat er diesmal auch seine warme Jacke vergessen, deshalb unterhalten wir uns nach dem Foto dann doch im gewaltigen, frisch renovierten...
«Warum hört ihr bei Corona der Wissenschaft zu, und beim Klimawandel nicht? Die Gefahr ist doch die gleiche: Es lauert der Tod. Nur für viel mehr Menschen», fragt die 18-jährige Lei, und der 13-jährige Kester legt nach: «Warum sollen wir für eine Zukunft lernen, wenn niemand etwas unternimmt, um diese Zukunft zu retten?» Riesige Projektionen junger...
