Noch ehrlicher, wie soll das gehen?

Seit sieben Jahren gehört Taner Sahintürk zu den Protagonisten am Gorki Theater und ergänzt den deutschen Bühnen­kanon um wichtige Geschichten

Der Berliner Oranienplatz könnte noch einiges machen aus seinem Talent zum öffentlichen Ort. Das liegt hauptsächlich am um- und querlaufenden Verkehr, der die angrenzenden Cafés an die Seite drückt, statt sie Richtung Platzmitte rücken zu lassen. Aber auch die sogenannten Grünflächen sind so räudig und plattgelatscht, dass sie zu wenig mehr als zur Hundeausführstelle taugen – und als gelegentliche Demonstrationsfläche für unerschrockene Aktivist*innen.

Trotzdem, ganz früh an einem Kreuzberger Sommermorgen, unter rauchrosafarbenem Himmel, kann auch der Oranienplatz eine gewisse Poesie entfalten. Wenn am Straßenrand ein lindgrüner Mercedes 230 CE parkt, auf der Platzmitte ein altes Klavier steht, an dem jemand heiter-melancholisch vor sich hin improvisiert, und die Kamera einen Mann ins Visier nimmt, der über den Platz läuft, als wäre es zum ersten oder letzten Mal.

Dieser Mann ist der Modemacher Can Öztürk, genannt Cani wie Gianni Versace. So stellt er sich jedenfalls aus dem Off vor. Der hellblaue Anzug aus feinem Denim sitzt wie angegossen, der Hut dazu ist fast schon exzentrisch, die hellen Sneakers erden das Outfit wieder. Und dennoch erzählt der Körper noch eine andere ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2021
Rubrik: Akteure, Seite 32
von Eva Behrendt

Weitere Beiträge
Berlin/Potsdam Deutsches Theater/Hans Otto Theater: Masken der Macht

Wenn Königin Elisabeth von England ihre Lage zusammenfasst – Akt IV, 10. Auftritt –, stülpt sich Julia Windischbauer im Deutschen Theater Berlin einen großen Pappmaché-Nachbau ihres Kopfes über und ringt mit beiden Armen. Alle Mächte Europas sind gegen sie, ihre Herrschaft ist nur auf wackeliger «Volksgunst» gebaut, und dann wäre da auch noch diese Maria Stuart,...

Und vergib uns unsere ...

Katholiken tragen von Geburt an die Erbsünde in sich, können am Samstag aber zur Beichte gehen, schon am Sonntag mittags unbefleckt den Leib Jesu Christi empfangen und am Montag getrost weiter sündigen. Kommt man dagegen als Protestant zur Welt, gibt es keine Erbsünde, man ist aber angehalten, ein Leben lang Schuld zu begleichen. Gearbeitet wird nicht um reich zu...

Die andere Theatermoderne

Kein Drama. Keine Interpretation. Keine Handlung. Keine Psychologie, kein Naturalismus, keine Subjekte. Stattdessen statisch im Raum stehende Schauspieler, eine weit vom Menschen entfernte Gruppe mit Masken, an Computerspiele, Comic Strips oder Figurentheater erinnernd, Avatare. Sie sprechen einzelne Sätze, oder genauer, sie sprechen sie nach, bewegen zu ihnen ihre...