Düsseldorf Schauspielhaus: Wohlstand als Armutszeugnis

Lothar Kittstein nach Henrik Ibsen «Volksfeind for Future»

Theater heute - Logo

«Warum hört ihr bei Corona der Wissenschaft zu, und beim Klimawandel nicht? Die Gefahr ist doch die gleiche: Es lauert der Tod.

Nur für viel mehr Menschen», fragt die 18-jährige Lei, und der 13-jährige Kester legt nach: «Warum sollen wir für eine Zukunft lernen, wenn niemand etwas unternimmt, um diese Zukunft zu retten?» Riesige Projektionen junger Klimaaktivist*innen konfrontieren das Publikum in Volker Löschs Inszenierung «Volksfeind for Future» am Düsseldorfer Schauspielhaus eindrucksvoll mit der Krise, die im öffentlichen Diskurs gerade ziemlich aus dem Blick geraten ist.

Die Appelle der zwanzig jungen Menschen werden an diesem zweistündigen Abend immer wieder eingeblendet, mal sieht man nur die sprechenden Münder, dann ihre überschatteten Gesichter in Kapuzenpullis (Chorleitung: Sandra Bezler, Video: Robi Voigt). In Zeiten des Abstands ersetzen sie den Live-Chor, der in Löschs Inszenierungen normalerweise die Bühne beherrscht. Für das Erleben dieses Abends ist er besonders entscheidend: Ohne diesen virtuellen Echoraum würde die grellbunt karnevaleske Polit-Farce auf der realen Bühne eher lautlos verhallen.

Auch diesmal liegt Löschs Inszenierung die Neufassung eines ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2021
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Natalie Bloch

Weitere Beiträge
Nachruf

Schon seine erste große Berliner Inszenierung war eine Entdeckung – in doppelter Hinsicht. Fred Berndt, der langjährige Bühnenbildner und ehemalige Assistent von Karl-Ernst Herrmann, inszenierte 1982 an der Schaubühne am Lehniner Platz Eduardo de Filippos «Die Kunst der Komödie». Damit etablierte sich Fred Berndt als Regisseur und zugleich de Filippo in den...

Theater, weil!

Weil im Theater das Handy aus ist.
Weil ich andere atmen höre.
Weil wir den Atem gemeinsam anhalten.
Weil wir zusammen still sind.
Weil wir zusammen Hormone ausschütten.
Weil man sich leichter in Menschen verliebt, mit denen man Hormone ausgeschüttet hat.
Weil ich im Theater über etwas weinen kann, das mit mir nichts zu tun hat.
Weil ich im Theater nicht einsam...

Bremen Theater, Kleines Haus: Das ist kein Witz

«Wir wissen nie, wann eine Geschichte beginnt», stellt Wahab einmal fest. Und eröffnet damit eine Spur, was Wajdi Mouawads «Im Herzen tickt eine Bombe» sein könnte: ein Text, der weniger etwas erzählt, sondern vom Geschichtenentwickeln selbst handelt. Das wäre eine Spur, aber sie interessiert Alice Zandwijk nicht bei der deutschsprachigen Erstaufführung des...