Und vergib uns unsere ...
Katholiken tragen von Geburt an die Erbsünde in sich, können am Samstag aber zur Beichte gehen, schon am Sonntag mittags unbefleckt den Leib Jesu Christi empfangen und am Montag getrost weiter sündigen. Kommt man dagegen als Protestant zur Welt, gibt es keine Erbsünde, man ist aber angehalten, ein Leben lang Schuld zu begleichen. Gearbeitet wird nicht um reich zu werden, man arbeitet Schulden ab. Reich werden passiert eher nebenbei.
Dominik Busch, so der Eindruck, ist ein protestantisch sozialisierter Theaterautor.
Vor zwei Jahren wartete er mit einem dokumentarisch anmutenden Globalisierungsdrama auf und stellte in «Das Recht des Stärkeren» unter anderem die Frage, inwiefern Südamerika heute noch von Europa ausgebeutet wird. In seinem neuesten Stück verlagert er die Schuldfrage nun in lokale Zusammenhänge und umkreist Menschen, die aufgrund unvorhergesehener Ereignisse aus der Bahn geworfen werden, mit Schuldgefühlen unterwegs sind und nicht mehr wissen, ob in dieser Welt überhaupt noch ein Platz für sie vorgesehen ist.
Busch verhandelt das abseits aller Klassenschranken. Jeder ist schuldig, der Chefarzt und der Vater, der seinen angeblich missratenen Sohn nicht mehr sehen will, ...
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Theater heute Januar 2021
Rubrik: Das Stück, Seite 52
von Jürgen Berger
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