Lebenslänglich Pubertät
Leute wie ich bleiben ein Leben lang in der Pubertät, weil sie immer für oder gegen den großen Papa sind. Und das ist, was der große Papa will», sagt Robert, Alter Ego des Autors und einer der Protagonisten aus Thomas Braschs 1977 veröffentlichtem Prosa-Band «Vor den Vätern sterben die Söhne». Da hatte der 1945 geborene Autor gerade seinen großen Papa verlassen, den einstigen stellvertretenden Kulturminister Horst Brasch, aber auch den Staat DDR, gegen den er sich seit der Niederschlagung des Prager Frühlings durch Warschauer-Pakt-Truppen aufgelehnt hatte.
Vater und Staat, sie fielen für Thomas Brasch tragisch in eins. Und er blieb dieser Haltung auch in der Bundesrepublik treu, mit deren kapitalistischer Demokratie er genauso wenig einverstanden war wie mit dem realexistierenden Sozialismus.
Thomas Brasch gehört zu den ostdeutschen Künstler:innen, die auch rückblickend ein Faszinosum bleiben, was vielleicht mehr mit seiner konfliktreichen Familiengeschichte zusammenhängt als mit seinem literarischen und filmischen Werk – wobei gerade Letzteres eine Wiederentdeckung lohnt: «Engel aus Eisen» etwa, der mit dem Bayerischen Filmpreis aus -gezeichnet wurde und in Cannes im ...
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Theater heute August/September 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 32
von Eva Behrendt
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