Lebenslänglich Pubertät

«Vor den Vätern sterben die Söhne»: Sebastian Hartmann inszeniert Thomas Braschs Prosaband am Staatsschauspiel Dresden

Theater heute - Logo

Leute wie ich bleiben ein Leben lang in der Pubertät, weil sie immer für oder gegen den großen Papa sind. Und das ist, was der große Papa will», sagt Robert, Alter Ego des Autors und einer der Protagonisten aus Thomas Braschs 1977 veröffentlichtem Prosa-Band «Vor den Vätern sterben die Söhne». Da hatte der 1945 geborene Autor gerade seinen großen Papa verlassen, den einstigen stellvertretenden Kulturminister Horst Brasch, aber auch den Staat DDR, gegen den er sich seit der Niederschlagung des Prager Frühlings durch Warschauer-Pakt-Truppen aufgelehnt hatte.

Vater und Staat, sie fielen für Thomas Brasch tragisch in eins. Und er blieb dieser Haltung auch in der Bundesrepublik treu, mit deren kapitalistischer Demokratie er genauso wenig einverstanden war wie mit dem realexistierenden Sozialismus. 

Thomas Brasch gehört zu den ostdeutschen Künstler:innen, die auch rückblickend ein Faszinosum bleiben, was vielleicht mehr mit seiner konfliktreichen Familiengeschichte zusammenhängt als mit seinem literarischen und filmischen Werk – wobei gerade Letzteres eine Wiederentdeckung lohnt: «Engel aus Eisen» etwa, der mit dem Bayerischen Filmpreis aus -gezeichnet wurde und in Cannes im ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 32
von Eva Behrendt

Weitere Beiträge
Zum Boden, zum Himmel, ins Lichte

I

Adelheid Duvanel: Fern von hier

Ich lese gierig, mir tropfen die Seiten ölig aus dem Mund, die Worte, einstmals behutsam gesetzt, fallen durcheinander in den Rachen. 

Da war/ist etwas groß, irrlichternd und doch zielstrebig. Da war/ist etwas wissend, malmend, doch suchend. Da saß ein Tier mit einem starken Kiefer und blickte seinen Lesenden entgegen, ein Tier mit...

Lauschige Endzeit

Vögel zwitschern, Lichterketten glühen, Sekt und Häppchen werden gereicht. Im lauschigen Park am Ringlokschuppen in Mülheim an der Ruhr hat sich das Publikum zur Freiluft-Eröffnung des Impulse-Theaterfestivals eingefunden. Und dann werden die Vogelstimmen lauter, kommen aus Lautsprechern auf der Wiese hinter der Rednerbühne, vermischen sich mit den echten aus dem...

Lob der Leerstellen

Nein, er fischt keine frischen Fische, der Fischer Fritz. Jedenfalls nicht mehr. Er hatte einen Infarkt. Aber von solchen medizinischen Zwischenfällen lässt sich der gute alte Zungenbrecher natürlich nicht ausbremsen, zumindest nicht in der Gegenwartsdramatik. Raphaela Bardutzkys Stück «Fischer Fritz», das als erstes von drei druckfrischen, zur Uraufführung...