Küche, Krieg und Konkretion
Viola Hasselberg Beginnen wir mit einem Zitat von Schiller: «Leicht beieinander wohnen die Gedanken, doch hart im Raume stoßen sich die Sachen.» Wenn du so einen Satz vor dir hast – was assoziierst du da mit deiner Inszenierung?
Jan-Christoph Gockel Ich überlege gerade, ob das für Kunst auch gilt.
Claus Philipp Schiller hat es aber wohl mit einem gewissen Realitätssinn für die Dramaturgie und Produktion im Theater so gesehen.
Gockel Aber wenn ich es mal umdrehe? Schwer sind die Gedanken, leicht ist die Realisation! Mitunter sind die Theorien rund um ein Projekt ja schwerwiegender und sperriger als die konkrete Ausführung. Da könnte man sagen: Kunst als Gegenthese zu jenen militärischen und politischen Strategien, um die es in Schillers Drama geht. Schwer ersonnen, aber in der Praxis lebt die Sache: So würde ich die Arbeit und die Zeit zusammenfassen, die wir mit «Wallenstein» verbracht haben. Der eigentlichen Inszenierung und den Proben gingen ja zweieinhalb Jahre Vorbereitung voraus: Diesen Text in unterschiedlichen Konstellationen zu testen und zu lesen, sich zu fragen, wie und warum uns das bewegt. Und dann kommt Tag eins der Probe, und alles fängt an, sich automatisch zu ...
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Theater heute Jahrbuch 2026
Rubrik: Höhepunkte des Jahres, Seite 24
von Viola Hasselberg, Claus Philipp
Du hast mir mein Leben genommen, also nehme ich dir deins.» – Im Jahr 2018 erschießt eine alte Frau ihren Sohn, weil er sie in ein Seniorenheim bringen möchte. Von diesem real existierenden Fall ausgehend, entwickelt die finnische Autorin E. L. Karhu einen irrwitzigen und anarchischen Text, der sich von der Realität loslöst, eine Utopie entwickelt – und nie seinen...
Spielzeit 2025/26. Kyiw unter Raketenfeuer. Gaza in Trümmern. Der Sudan versinkt im Bürgerkrieg. Im Persischen Golf brennen Öltanker. Myanmar bombardiert Dörfer. Europa diskutiert Aufrüstung und Wehrpflicht. Die Welt zählt so viele bewaffnete Konflikte wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Drohnenangriffe, Stromausfälle, Hunger, Flucht, Zerstörung. Demokratien geraten...
In einer der komischsten Szenen in Jan-Christoph Gockels siebenstündiger «Wallenstein»-Inszenierung versuchen der Offizier Max Piccolomini und General Isolani von ihrem Kameraden, dem General Illo, abzulenken. Der hat nämlich gerade beim virilen Striptanz um Wallenstein seinen Penis verloren; Katharina Bach wälzt sich nun in einer Mischung aus Scham und Schmerz am...
