Küche, Krieg und Konkretion
Viola Hasselberg Beginnen wir mit einem Zitat von Schiller: «Leicht beieinander wohnen die Gedanken, doch hart im Raume stoßen sich die Sachen.» Wenn du so einen Satz vor dir hast – was assoziierst du da mit deiner Inszenierung?
Jan-Christoph Gockel Ich überlege gerade, ob das für Kunst auch gilt.
Claus Philipp Schiller hat es aber wohl mit einem gewissen Realitätssinn für die Dramaturgie und Produktion im Theater so gesehen.
Gockel Aber wenn ich es mal umdrehe? Schwer sind die Gedanken, leicht ist die Realisation! Mitunter sind die Theorien rund um ein Projekt ja schwerwiegender und sperriger als die konkrete Ausführung. Da könnte man sagen: Kunst als Gegenthese zu jenen militärischen und politischen Strategien, um die es in Schillers Drama geht. Schwer ersonnen, aber in der Praxis lebt die Sache: So würde ich die Arbeit und die Zeit zusammenfassen, die wir mit «Wallenstein» verbracht haben. Der eigentlichen Inszenierung und den Proben gingen ja zweieinhalb Jahre Vorbereitung voraus: Diesen Text in unterschiedlichen Konstellationen zu testen und zu lesen, sich zu fragen, wie und warum uns das bewegt. Und dann kommt Tag eins der Probe, und alles fängt an, sich automatisch zu ...
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Theater heute Jahrbuch 2026
Rubrik: Höhepunkte des Jahres, Seite 24
von Viola Hasselberg, Claus Philipp
Die Münchner Kammerspiele sind das Theater des Jahres! 9 Kritiker:innen stimmten für das inklusive Haus zwischen der Maximilian- und Falkenturmstraße, das Intendantin Barbara Mundel in den ersten Jahren etwas schleppend, zuletzt aber immer erfolgreicher führte und in dieser Spielzeit mit insgesamt vier Inszenierungen beim Berliner Theatertreffen und bei...
Vorab: Ich schreibe dies aus Magdeburg im Juni. Im September werden Landtagswahlen stattfinden, seit gestern hängen Wahlplakate vor meinem Fenster. Die AfD wirbt mit «Abschieben ab Minute Eins», «Wieder stolz sein», «Das Land retten». Das scheint zu verfangen, sie steht aktuell bei über 40 Prozent und rechnet sich berechtigte Chance auf eine Alleinregierung aus....
Im Frühling 2023 inszenierte ich in Riga Molnárs «Liliom» – ein Stück über die Spirale der Gewalt; über einen Mann, der seine Frau schlägt, sich dann das Leben nimmt und als Geist seine sechzehnjährige Tochter nicht zu streicheln vermag, sondern ihr auf die Hand schlägt. Molnár Ferenc, der Autor, schlug seine erste Frau – auch noch, als sie ihr gemeinsames Kind...
