Kriterien und Quoten
Wer schon einmal in einer Jury saß, der weiß, dass es das klare, unschuldige, ausschließlich auf Qualitätskriterien beruhende Urteil nicht gibt.
Der weiß, dass ein Urteil immer auch heißt, gut eingespielte Kriterien zu hinterfragen: Ist der eigene Kompass noch korrekt? Steht einem Geschmäcklerisches im Weg, persönliche Vorlieben, Erfahrungen? Ist man womöglich betriebsblind? Man muss sich fragen: Wäre es angebracht, an der einen oder anderen Stelle ein paar Schritte zurückzutreten und die eigenen Kriterien neu zu justieren? Auf der Folie einer Quotierung vielleicht?
In diesem Sinne kann man der diesjährigen Theatertreffen-Jury kaum einen Vorwurf machen. Sie hat unterschiedliche Quoten mehr oder weniger erfüllt, hat mit Leipzig eine ostdeutsche Bühne aufgenommen, mit Mainz und Bern die Provinz berücksichtigt, mit Milo Rau und Forced Entertainment die Freie Szene. Alles verdient, alles sehr gut. Aber eine Quote hat sie nicht berücksichtigt: die Frauenquote.
Kann das sein, dass von zehn eingeladenen Inszenierungen gerade einmal eine einzige von einer Frau verantwortet wurde: Claudia Bauers «89/90» aus Leipzig? Ganz sicher, dass so viel anderes einfach nicht gut genug war? Katie ...
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Theater heute Mai 2017
Rubrik: Theatertreffen 2017, Seite 11
von Falk Schreiber
Der Wunsch zu sterben kann aus einer kaputten Liebe herrühren oder aus verlorener Hoffnung auf Liebe, nur selten kommt er der Liebe und der Hoffnung zuvor, wie bei den fünf Teenager-Töchtern einer puritanischen Bilderbuchfamilie in Jeffrey Eugenides’ tiefschwarzem Romandebüt aus dem Jahr 1993 «Die Selbstmord-Schwestern», die allesamt in der Blüte ihrer Pubertät aus...
Personen
Julia
Jan
Tobias
Ein Hund
Ein Kellner
Ein Fremder
Ein Psychologe
Ein Kollege
Ein Dealer
Die Namen entsprechen den beliebtesten Mädchen- und Jungennamen aller 1990 in Deutschland Geborenen.
Die sechs Personen, die nicht zur Gruppe gehören, werden von demselben Schauspieler gespielt.
Tobias Wisst ihr eigentlich, dass wir uns heute vor einem Jahr das erste Mal gesehen...
Wer hätte gedacht, dass der Puls der Zeit noch schneller schreibt als Elfriede Jelinek? Ihr Textkonvolut «Wut», angeregt von der Empörung über das Attentat auf «Charlie Hebdo», den Überfall auf den jüdischen Supermarkt in Paris und die folgenden Terroranschläge vom November 2015, stammt noch aus einer Zeit vor der englischen Brexit-Entscheidung, vor der Wahl von...
