Hannover: Unvorsichtig leben
Wenn Individualgeschichte durch alle Verwerfungen und Leiden hindurchgegangen ist, gerinnt sie zum Schlagwort fürs Fachwörterbuch: «Postnomadische Traumatisierung aufgrund von Krieg und Verfolgung» steht auf einem Flipchart am Beginn dieses Hannoveraner Abends. Man nähert sich Remarques Flüchtlingsgeschichte «Die Nacht von Lissabon» im fiktiven Rahmen einer Vorlesung für den Fachbereich «Psychologie, Wintersemester 2016/2017». Betont hemdsärmelig betritt Silvester von Hösslin als Dozent den Saal: «Wie Sie wissen, hasse ich diese Abendseminare.
Besonders wenn sie so vollgestopft sind mit älteren Gasthörern.» Befreiendes Lachen. Das soll ja zur Traumabewältigung taugen.
Das Intro ist strukturell nicht unbedingt notwendig; auf die hier angelegte Rahmensituation der Universitätsvorlesung kommt die Inszenierung nicht mehr zurück. Aber atmosphärisch gibt die Lockerungsübung doch eine Richtung vor. Wie in seinem ersten Auftritt als Dozent hält Silvester von Hösslin als Solist auch im weiteren Verlauf eine schützende Distanz zum Gegenstand, wenn er in ruhigen erzählerischen Bögen die Geschichte des aus Nazi-Deutschland geflüchteten Josef Schwarz nachzeichnet. Mitunter lässt er die ...
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Theater heute Mai 2017
Rubrik: Chronik, Seite 65
von Christian Rakow
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