Kratzen am Grossen Einverständnis
Das russische Theater fällt selten durch politischen Humor auf. Unlängst gab es jedoch eine Aktion der Gruppe «Ära» in Sankt Petersburg, die an beste Traditionen anknüpft: Subversion durch Affirmation. Mit Parolen wie «Ja zu steigenden Strompreisen» und feierlich hochgehaltenen Putin-Porträts bewegte sich der «Marsch der Einverstandenen» über die altehrwürdige Uferstraße der Wassiljew-Insel. Eine russische Fahne mit der Aufschrift «Mit allem einverstanden» rundete die Performance ab.
Die Staatsmacht erkannte und reagierte mit Verhaftungen im Sowjet-Stil auf Schändung von Symbolen, während Putins englischsprachiger Propagandakanal «Russia Today» pausenlos von Wirtschaftskatastrophen vorzugsweise in den besonders verhassten baltischen Republiken oder einstigen Satellitenstaaten wie Ungarn berichtete. Im eigenen Land würde man mit den Schwierigkeiten indes gut fertig werden.
Von staatlicher Seite wird das Theater mit wohlwollender Aufmerksamkeit bedacht, wenn es gleich auf den ersten Blick als Garant russischer Größe zu erkennen ist. Im Marinskij-Theater läuft Tschaikowskis «Dornröschen» in einer siebzig Jahre alten Choreografie, die durch sogenannte Coaches immer wieder auf Norm ...
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