Akt der Verzweiflung
Die Comédie-Française ist das Theater Molières und noch immer eine von Frankreichs wichtigsten Bühnen: das «Théâtre français» oder kurz «le Français». Die Comédie-Française kämpft aber auch nach wie vor gegen einen verstaubten Ruf. Deklamationstheater, Beamtenschauspieler, Schnarchkunst – Muriel Mayette, seit zwei Jahren Intendantin, tut viel dagegen, sei es mit (gemäßigt) neuen künstlerischen Positionen, sei es mit der Ankündigung, die Comédie-Française gehe in die Vorstadt und erhalte dort eine neue Spielstätte.
Das Français in der Banlieue? Abwegig ist das nicht, einen flexiblen Saal mit einer Infrastruktur, die zeitgemäße Sichtweisen erlaubt, könnte das Theater durchaus brauchen.
Schnarchtheater goes Schlafstadt?
Nur soll dafür ein bestehendes Theater mit ausgezeichnetem Ruf annektiert werden: die MC93 in Bobigny. MC steht für «Maison de la culture», Bobigny ist die Hauptstadt des Départements 93, Seine/Saint-Denis, astreine Banlieue: Beton, Hochhaussiedlungen, Supermärkte. Eine dieser postmodernen Schlafstädte um Paris; Métro 5 fährt direkt in die Stadt. Die MC93 ist eine erste Adresse für internationale Gastspiele und Koproduktionen, auch deutschsprachige, Frank Castorf ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
O Gott, wenn die mich jetzt erschießen …» Es war Todesangst, die Heidelore Rutz packte, als man sie am 30. Juli 1975 nach einer Demonstration von Ausreisewilligen in Jena verhaftete und in den Keller einer Stasi-Station warf. Was folgte, waren die Qualen der Verhöre, der Angst, Ungewissheit, Gewalt; dann ein Prozess und jahrelanger Knast mit Schwerstarbeit im...
Als im vergangenen November das vormals völlig danieder liegende Kieztheater Ballhaus Naunynstraße neu eröffnet wurde, war den Machern ziemlich bang. Die frisch gebackene Theaterdirektorin Shermin Langhoff wollte sich angesichts eines Etats von 240.000 Euro lieber gar nicht Direktorin nennen. Wir sind ein Theater in der «dritten Reihe», betonte sie. Das Ballhaus...
TH Ist die Jury des Theatertreffens mit sich selbst zufrieden?
Wolfgang Höbel Es ist entschieden die beste aller möglichen Auswahlen.
TH Klingt nicht unbescheiden.
Höbel Die Jury ist eben total begeistert von ihrer Auswahl, und wir haben beschlossen, dass kein Blatt Papier zwischen uns passt. Totale Einigkeit nach innen und nach außen.
TH Der Weg führt vom Selbstlob...
