Kopp hoch!
Wie wird man wohl erinnert werden, wenn man nichts wirklich gerissen hat? «Aus uns ist eben nüscht geworden. Aber auch keen Nazi, immerhin», sagt Ralle. «War knapp, aber das ist doch wat.» Und wahrlich, das ist was. Schließlich befindet sich Ralle hier in Brandenburg, wo wie jeder seit Rainald Grebe weiß: Es steh’n drei Nazis aufm Hügel und finden keinen zum Verprügeln, in Brandenburg.
Ralle und sein Kumpel Hannes an ihrer Bushaltestelle irgendwo in der brandenburgischen Pampa sind die Underdogs par excellence.
Ostler by nature, maulig und herzig, arbeitslos und abgehängt, wie man so sagt, hocken tagein, tagaus am Bushäuschen und sinnieren, parlieren, raufen auch mal und warten, nein, nicht auf Godot, aber auf den Bus mit der hübschen Busfahrerin Kathrin. Gestartet im April 2020, hat sich Oliver Bukowskis Sitcom «Warten auf’n Bus» rasant zum Kult entwickelt. Mit Felix Kramer als wandelndem Nackenschlag Ralle und Ronald Zehrfeld als diskret belesenem Brummbären Hannes das sympathischste Haudruff-Duo seit Terence Hill und Bud Spencer. Nur dass bei ihnen das Schlagfertige nicht aus den Fäusten stammt, sondern vom lockeren Mundwerk her.
Anheuern bei Tesla
Für die zweite Staffel ...
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Theater heute Januar 2022
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Christian Rakow
Mitten in erbitterten Identitäts-, Privilegien- und Rassismus-Diskussionen hat die Kulturwissenschaftlerin und Autorin Mithu Sanyal mit ihrem Shortlist-Buchpreis-Bestseller «Identitti» schier Unvorstellbares geschafft: das Thema komplex zu verhandeln – und dennoch die Absurdität der Diskurs-Auswüchse so auf die Spitze zu treiben, dass befreites Gelächter auf einmal...
Einsame Menschen? Ein ziemlich munteres Grüppchen quasselt da am Tisch auf der linken Bühnenseite in den Kammerspielen des Deutschen Theaters durcheinander. Sie stoßen mit dem Stanford-Intellektuellen Arno an auf ihr zufälliges Zusammentreffen im schönen Haus am Müggelsee: Hausherr Johannes, der Bestsellerautor mit Schreibblockade, seine Uraltfreundin Sophie und...
Das Gegenteil von Empörung ist Entspannung. Dass Regisseur Daniel Foerster seine Uraufführungsinszenierung von Caren Jeß’ neuem Stück «Eleos» in einem Spa namens «Relaxation» verortet, soll also vermutlich szenische Reibungsenergie freisetzen. Laut Untertitel haben wir es nämlich mit einer «Empörung in 36 Miniaturen» zu tun. Im Haus zwei, der kleinen Bühne des...
