Köln: Die Schöne und der Knast
Eine schöne Mörderin, die ihre Ehemänner tötet, im Keller einbetoniert und im Gefängnis ein Kind bekommt, hat schon starkes Starpotenzial. In Österreich füllte die Geschichte der «Eislady Esti» Klatschspalten und Feuilletons. Selbst der Schriftsteller Thomas Glavinic sprach nach einem Gefängnisbesuch fasziniert von ihren «bemerkenswerten Vibes» und «zarten Händen». Eigentlich wäre der Fernsehregisseur, Autor, Talkshow-Macher und Lyriker David Schalko der richtige Mann, der skurrilen Verehrungsfreude unserer österreichischen Nachbarn auf die Spur zu kommen.
Mit seiner Serie «Braunschlag» schuf er etwa eine Provinzposse über ein Dorf, dass sich aus Geldgier eine Marienerscheinung erfindet und darüber zugrunde geht – mit seinen bitterbös-zynischen Charakterzeichnungen und der langsam-verwackelten Filmweise gilt er als Revolutionär der österreichischen Fernsehlandschaft.
Auf das Theater lässt sich dies nur bedingt übertragen. In Schalkos erstem Theaterwerk, dem Singspiel «Kimberley», hat die Mörderin ihre Strafe schon abgebüßt, im Gefängnis wird ihr selbst die durchgedreht-liebestolle Psychologin (Sabine Waibel) im grünen Latex-Anzug verfallen. Als Kimberley neben einem Dreiergespann ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2016
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Dorothea Marcus
Wie von Geisterhand bewegen sich die Tasten der drei Cembali. Manuell gespielt wären sie gar nicht fähig, das irrwitzige Tempo, das Herbert Fritsch auf der Bühne des Wiener Burgtheaters entfacht, zu erzeugen. Atemlos hetzen sie die Tonleiter rauf und runter, spielen Tril-ler und Tremoli. Drei Cembali auf Speed. Und rund um sie herum, darunter und drüber (und...
Gaston Salvatore war eine imposante Erscheinung, ein Mann mit einer leicht gewellten Matten-Mähne, lange schwarz, später dann grau, die sein Haupt wehrhaft wie ein Helm umgab. Natürlich steckte ein weicher, musischer Kern im Kerl, das musste jedoch nicht jeder gleich merken. Und so groß, wie er auf Fotos wirkte, war er in Wirklichkeit auch nicht. Die ersten...
Der Fall ist gleich gelöst, aber ein Herz bleibt zerrissen. Kleists «Der zerbrochne Krug», erzählt nicht so sehr als Höllensturz und Sündenfall des alten Adam, sondern als Evchen-Tragödie. Sie verliert den Glauben an die Menschheit. Ihr allein gehört zunächst die Bühne in den Bochumer Kammerspielen: Eves seelischer Not, die alles aussagen könnte, aber nichts sagen...
