Keine leichte Übung
Neustarts im städtischen Theater sind gemeinhin ein so kompromissreiches Unterfangen, dass man sich ruhig einmal ausmalen darf, wie ein gelungener Anfang aussieht. Etwa mit einer Grundsteinlegung auf der Bühne des Oldenburger Staatstheaters: Es ist einer der milden, trockenen Novemberabende 2006, mitten in der Arbeitswoche. Die 350 Plätze im Kleinen Haus sind nahezu vollbesetzt. Es laufen «Die Wahlverwandtschaften» nach Goethe. Ein Lustgebäude für den Schlosspark ist projektiert; jetzt naht die Ausführung.
Um eine Grube in der Vorderbühne versammeln sich die Protagonisten, und der Goethesche Bauleiter erörtert: «Drei Dinge sind bei einem Gebäude zu beachten: dass es am rechten Fleck stehe, dass es wohl gegründet, dass es vollkommen ausgeführt sei. Das dritte, die Vollendung, ist die Sorge gar vieler Gewerke.» – Dann wird es voll. Oldenburger Bühnenarbeiter strömen von den Seiten heran, die Feuerwacht und das Küchenpersonal des Hauses treten dem Chor der «Gewerke» hinzu. Man intoniert ein Maurerlied. Auch das Saallicht scheint, auf dass ein großes «Wir» über der Szene stehe.
Und dieses Wir teilt ein Anliegen. Kurz und knapp gedenken Goethes Erben einer fernen Nachwelt und versenken ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Eine ungewollt schwangere Frau hadert mit ihrer wachsenden Leibesfrucht, weil diese ihr ihre Freiheit nimmt und sie von der anvisierten Sportlerkarriere abhält – das könnte ein Gegenwartsstück über Singledasein und Erfolgsfixiertheit sein. Es ist aber ein quasi-autobiografisches Werk von Herbert Achternbusch über seine werdende Mutter im Jahr 1938. Der 2005...
Im alten, noch deutlich patriarchal durchstrukturierten Familienklassiker von berufstätigem Vater, haushaltender Mutter und Kindern ist wahrscheinlich die Mutter die große Konstante und der Vater deren Abweichung. Die Mutter garantiert das Leben, der Vater das Abenteuer, Kraft, Gewalt manchmal, pfadfinderartige Momente der Kameraderie, Tief- und Höhepunkte des...
Die Verlockung muss groß sein, vielleicht, weil der Stoff so gewaltig ist und Tantiemen birgt. Nach Moritz Rinke (seit 2002 in Worms), Helmut Krausser («Unser Lied»), Marc Pommerening («die nibelungen. melodram») und einigen weniger Autorschaft beanspruchenden Hebbel-Bearbeitern (wie zuletzt Andreas Kriegenburg) hat nun Oliver Schmaering ein weiteres...
