«Phony realism»

Peter Zadek, der im April mit dem Europäischen Theaterpreis ausgezeichnet wurde, über Ibsen und Shakespeare und wer welche Fehler verzeiht …

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«Das Risiko bei Shakespeare besteht natürlich darin, dass du auf einen völlig falschen Weg kommen kannst und niemand dich dabei aufhält. Bei Henrik Ibsen ist es komplett anders, bei diesem Dramatiker kannst du andauernd kontrollieren, was du machst. Wenn man bei Ibsen eine grundsätzlich falsche Entscheidung für eine Figur trifft, wenn man zum Beispiel aus Lövborg einen schizophrenen Proleten macht – ich könnte mir vorstellen, dass dies ein Einfall wäre, der bei manchen Regisseuren gut ankommt–, stößt man irgendwann auf solche Widerstände, dass die Arbeit nicht mehr aufgeht.

Man muss dann die Rolle neu denken und noch einmal von vorn anfangen. Das ist natürlich furchtbar.

Shakespeare verführt einen dauernd ins Abseits. Bei der Offenheit seiner Figuren geht eigentlich alles. Ob Angelo dick, dünn, alt, klein oder groß ist, ist nur eine persönliche Meinungsfrage, ob er laut oder sehr leise, ein flüsternder Bösewicht oder überhaupt kein Bösewicht, sondern ein zarter, flüsternder Mensch ist – alles ist möglich. Nirgends stößt man auf so genaue Definitionen wie bei Ibsen.

Tschechow ist manchmal genau so offen wie Shakespeare. «Der Kirschgarten» gehört in dieselbe Kategorie wie «König Lear», ...

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Theater heute Mai 2007
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Klaus Dermutz

Vergriffen
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