Keine Gedichte über Krieg
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Es gibt keine Gedichte über Krieg. Es gibt nur Zersetzung, heißt es bei der Dichterin Lyuba Yakimchuk. Also zerlegt sie die Wörter: Lu-hansk; Do-nezk; und zum Schluss des Gedichts ihren eigenen Namen: Nicht mehr Lyuba steht dort, sondern nur noch «ba!». Wobei die Formulierung «zerlegt sie» falsch ist, denn die Wörter, die Orte, die Menschen sind bereits zerlegt, Yakimchuk schreibt nur auf, was stattfindet. «Sprache ist so schön wie die Welt, die sie umgibt.
Wenn jemand deine Welt zerstört, wird es die Sprache reflektieren», sagt die in der Donezk-Region geborene Autorin. Sie versteht sich als literarische Nachfahrin von ukrainischen Futuristen wie Mykhailo Semenko, der die Dekonstruktion in die ukrainische Lyrik brachte und, wie so viele andere Dichter:innen in den Jahren des Stalin-Terrors, erschossen wurde.
Es gibt keine Gedichte über Krieg. Nur Zersetzung. Ich habe in den letzten Monaten versucht zu schreiben. Nicht über den Krieg. Einfach nur zu schreiben. Zwischen Telefonaten auf der Suche nach Wohnungen für Menschen, die fliehen. Auf der Suche nach Medikamenten, aufblasbaren Matratzen, Kinderschuhen, Badesachen, den passenden SIM-Karten. Ich hing in der Warteschleife des ...
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Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Risiko, Seite 6
von Sasha Marianna Salzmann
Mein 20-jähriges Ich schreibt in einer Bewerbung an die Studienstiftung des deutschen Volkes: «Ich hoffe, dass Theater politisch und gesellschaftlich wirken kann, weiß es aber nicht. Es geht nicht um eine perfekte Einzelleistung, sondern um das große Ganze, um das gemeinsame Ringen um Wahrheit. Dieses unendliche Bedürfnis, gemeinsam Grenzen zu verschieben.»
Desweg...
Wenn das «Das neue Leben» ist? Große weite leere Bühne mit einer Art Schiedsrichterleiter und einem automatischen Klavier, die später von einem martialischen Lichtrührkreisel abgelöst wird? Ein paar demonstrativ verloren wirkende Schauspieler:innen spielen sich schüchtern bis verlegen einen Text zu, der von strikter Liebesverleugnung und Sublimationskunst handelt....
Eine tolle Kollegin, mit der ich viel zu selten Kaffee trinken gehe, meinte vor Kurzem zu mir, sie hätte einmal die schon recht erfahrene Vorzimmerdame eines größeren deutschen Theaters, die schon einige Wechsel von einigen Intendierenden in ihrem Vorzimmerleben miterlebt hat, gefragt, wie das denn nun so sei, über all die Jahre, mit all den Wechseln, und ob es...
