Nach dem posttraumatischen Theater
Als ich im Jahr 2004 im Schauspielhaus Bochum in einen Lift auf den Weg nach oben Richtung Intendanz stieg, stand da ein Edding-Graffiti: «Don’t cry – work». Schon damals fand ich diese neoliberale Selbstausbeutungsdevise ziemlich strange und widerlich. Der Spruch passte perfekt in ein Haus mit brüllendem Intendantenchef, der später die Schauspielstudentinnen mit der Theaterlimo abholen ließ, und delirierenden Regisseuren, die ihre Angst und Soziopathie am besten mit einem genialischen «Du Fotze!» wegbrüllten.
Und wollten nicht viele Schauspieler:innen genau diese brüllenden Ansager? Ist nicht eine der größten Ängste die Angst vor der eigenen Freiheit? Wie oft wollten wir als Produktionsteam arschlochfreie Probezonen schaffen. Die Reaktionen waren: «Der weiß ja gar nicht, was er will.» – «Wir brauchen Ansagen.» – «Schauspieler sind Pferde, du musst sie zureiten.» Mag sein, die zynischen Arschlö -cher der Macht sind fast alle weg. Na ja, nicht alle, einige sind schon länger Intendanten, als Merkel Kanzlerin war, und verkaufen sich immer noch als Ensemble-Vor- und -Versteher, und bei den vielen Vielfachverdienstmöglichkeiten gibt es ja auch allerhand zu verlieren für manchen ...
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Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Transformation, Seite 58
von Philipp Preuss
Ich habe das Theater immer sehr geliebt, und dennoch gehe ich fast nie mehr hin. Das ist ein Wandel, der mich selbst befremdet. Was ist geschehen? Wann ist es geschehen? Habe ich mich verändert? Oder das Theater? Liebe ich es nicht mehr, oder liebe ich es zu sehr?», fragt sich der ehemalige leidenschaftliche Theater -gänger Roland Barthes, als er sich, älter...
Eine tolle Kollegin, mit der ich viel zu selten Kaffee trinken gehe, meinte vor Kurzem zu mir, sie hätte einmal die schon recht erfahrene Vorzimmerdame eines größeren deutschen Theaters, die schon einige Wechsel von einigen Intendierenden in ihrem Vorzimmerleben miterlebt hat, gefragt, wie das denn nun so sei, über all die Jahre, mit all den Wechseln, und ob es...
Falk Schreiber Lina Beckmann, ich möchte zunächst über Karin Henkels Shakespeare-Überschreibung «Richard the Kid & the King» am Hamburger Schauspielhaus reden, in der Sie die Hauptrolle spielen. Was ist dieser Richard eigentlich für eine Figur? Warum ist der so, wie er ist?
Lina Beckmann Eine Frage, die wir uns gestellt haben, ist: Wird jemand so, wie er ist, weil...
