Foto: Iko Freese
Karin Beier: Keine Ausreden mehr!
Seit Platon ist es eine Angewohnheit abendländischer Intellektueller (Männer), an freien Nachmittagen hin und wieder einen idealen Staat zu entwerfen. Sie nehmen ein weißes Blatt Papier, räuspern sich, und los geht’s. Wichtige Arbeiten in Haus und Garten (Dach undicht, Abflussrohr verstopft, Baby muss gewickelt werden) bleiben mit Hinweis auf dieses Hobby oft jahrelang unerledigt.
Zuerst das Grundsätzliche! Mit ein paar Strichen ist ruckzuck eine kühne Skizze auf’s Papier geworfen, die Grundzüge eines wirklich idealen Staates, dessen Ausführung dann leider regelmäßig von beschränkten oder bösartigen Pragmatikern (oft auch Frauen, muss man sagen!) versaut wird.
Reichlich 2000 Jahre nach Platon fiel dem französischen Intellektuellen Bourdieu auf, dass sein typisches Handwerkszeug – das unbeschriebene Blatt Papier – für politische Entwürfe prinzipiell ungeeignet ist. Weder gleicht der Ausgangspunkt (der missratene, aus dem Ruder gelaufene Staat) einem unbeschriebenen Blatt, noch kann ein idealer Endzustand sinnvoll darauf entworfen werden. Der Anteil vernünftigen, planmäßigen Handelns ist in realen menschlichen Zusammenhängen einfach zu klein. Gewohnheit und Biologie verpfuschen ...
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Theater heute Jahrbuch 2017
Rubrik: Der ideale Staat, Seite 4
von Karin Beier
Auf der ersten Seite birgt dieser Text gleich ein poetisches Rätsel: «Das hässliche Universum». Kann das Universum hässlich sein? Oder wessen «Universum» wird hier gebasht? Sprechende, fast singende Titel tragen Laura Naumanns Werke, wie «demut vor deinen taten baby», «Manchmal hat die Liebe regiert und manchmal einfach niemand» oder «Zwischen den Dingen sind wir...
Sie werden erkennen, dass es eine Utopie ist, die Gleichheit der Lebensbedingungen anzustreben,
dass die Gleichheit nur besteht in der Freiheit der Persönlichkeit, und dass
diese Freiheit gerade die Ungleichheit der Individuen in der Gemeinschaft voraussetzt.
«Auf zwei Planeten»/Kurd Laßwitz
Aperitivo
Man kann über den idealen Staat nachsinnen in der sterilen...
Wie gehen wir mit der Vergangenheit um, gerade wenn Verbrechen geschahen, die vergraben wurden und unbeachtet erodieren wie der Erdboden? Wie gehen wir damit um, wenn diese Verbrechen in der Heimat geschahen und bis zum heutigen Tag kaum als solche erkannt werden? Die Rede ist von der Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg. Vergangenheitsbewältigung haben in diesem...
