Im Zeichen der Gurke
Die Hölle sieht aus wie eine Premierenfeier der Salzburger Festspiele: Vor einer kahlen Wand steht ein Buffet, daneben eine Skulptur des österreichi -schen Ironiekünstlers Erwin Wurm, eine jener Gurken, die auch vor dem Festspielhaus aufgereiht sind. Allerdings in gediegenem Weiß, und nicht wie an der Salzach in Grün. Minimalistisch ist dieses Inferno, das Martin Zehetgruber da im Burgtheater für Jean-Paul Sartres Existenzialismus-Klassiker «Geschlossene Gesellschaft» gebaut hat.
Man weiß nicht so recht, ist es schick oder doch einfach nur deprimierend? Die Buffet-Metallbehälter sind natürlich leer. Wer isst schon im Jenseits?
Tobias Moretti betritt als altlinker Freiheitskämpfer Joseph Garcin seine neue Heimat durch den Zuschauerraum. Der Mann hat zwar politische Ideale, was ihn aber nicht davon abhielt, zu Lebzeiten seine Frau zu quälen und zu betrügen. Das gleißende Saallicht bleibt den ganzen Abend über an, schließlich soll das Publikum auch ein wenig das Gefühl haben, selbst im Fegefeuer zu sitzen. Toilettengänge seien strikt verboten während der Vorstellung, wird man bereits beim Einlass hingewiesen. Für manche durchaus eine Folter: Aus «Huis Clos», so der Originaltitel, ...
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Theater heute April 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 30
von Karin Cerny
Und wieder schreiben wir Geschichte. Genau wie vor 18 Jahren und vor neun Jahren. Man kann einen gewissen Zyklus beobachten: 2004 – 2013 – 2022. Zweimal Majdan und nun auch der Krieg. Und jedes Mal durchkreuzte das ukrainische Volk die russischen Absichten. Dies ist auch der gemeinsame Nenner der drei Daten. Widerstand der Bevölkerung auch in Zeiten des Kriegs. Nun...
Anfangs weiß man nicht, ist das jetzt witzig oder nur ganz dumm? Eine Gruppe Schauspieler vor einer albernen Kulisse und in grellen Kostümen plappert Text aus einem Italo-Western, verheddert sich in Textschleifen, Hängern, immer nur derselbe Unsinn. Dann jammert jemand über seine Probleme mit der Miete und dass die Kunstform des Sich-Geld-Leihens leider...
Hunde – waren das auf George Orwells «Animal Farm» nicht die bissigen Handlanger, mit denen die Schweine ihre neue Diktatur festigen? In Sapir Hellers Neufassung am Münchner Volkstheater trottet dagegen zu Beginn eine behäbige Hündin ostentativ harmlos nach vorn an die Rampe und erzählt lefzensynchron mit der Stimme von Philipp Lind aus dem Off, wie das damals war,...
