Im Zeichen der Gurke
Die Hölle sieht aus wie eine Premierenfeier der Salzburger Festspiele: Vor einer kahlen Wand steht ein Buffet, daneben eine Skulptur des österreichi -schen Ironiekünstlers Erwin Wurm, eine jener Gurken, die auch vor dem Festspielhaus aufgereiht sind. Allerdings in gediegenem Weiß, und nicht wie an der Salzach in Grün. Minimalistisch ist dieses Inferno, das Martin Zehetgruber da im Burgtheater für Jean-Paul Sartres Existenzialismus-Klassiker «Geschlossene Gesellschaft» gebaut hat.
Man weiß nicht so recht, ist es schick oder doch einfach nur deprimierend? Die Buffet-Metallbehälter sind natürlich leer. Wer isst schon im Jenseits?
Tobias Moretti betritt als altlinker Freiheitskämpfer Joseph Garcin seine neue Heimat durch den Zuschauerraum. Der Mann hat zwar politische Ideale, was ihn aber nicht davon abhielt, zu Lebzeiten seine Frau zu quälen und zu betrügen. Das gleißende Saallicht bleibt den ganzen Abend über an, schließlich soll das Publikum auch ein wenig das Gefühl haben, selbst im Fegefeuer zu sitzen. Toilettengänge seien strikt verboten während der Vorstellung, wird man bereits beim Einlass hingewiesen. Für manche durchaus eine Folter: Aus «Huis Clos», so der Originaltitel, ...
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Theater heute April 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 30
von Karin Cerny
Der Vorlauf zu dieser Arbeit reicht bis in den Corona-Pandemiebeginn zurück, als Philipp Preuss im April 2020 mit seinem Zoom-Theaterprojekt «k. (nach Kafka)» einen ersten Aufschlag zu Kafkas Romanfragment «Das Schloss» gab. Ein Stück gestreamte Erzählkunst flackerte dort in den Bildschirmkacheln, mit schemenhaften Gesichtern und viel Schneelandschaft. Es war eine...
Vor einem Jahr ging die Beziehung mit dem Menschen, den ich liebe und den ich noch immer über alles liebe, in die Brüche. Das ganze letzte Jahr war ich nur damit beschäftigt gewesen, zu leiden und meinen Gesundheitszustand zu bedauern. Das war eine schleichende und langwierige Depression. Im Dezember jenes Jahres begriff ich, dass ich psychotherapeutische Hilfe...
Die katholische Maria Stuart weigert sich stolz, auf ihren englischen Thronanspruch zu verzichten und hat vielleicht auch ein, zwei Ehemänner um die Ecke gebracht. Ihre protestantische Ri -valin, Elisabeth I., als uneheliches Kind stets im Rechtfertigungsmodus und dennoch 45 Jahre lang Inhaberin der britischen Krone, fühlt sich bedroht – dieser Stoff hat nicht nur...
