Im Zeichen der Gurke
Die Hölle sieht aus wie eine Premierenfeier der Salzburger Festspiele: Vor einer kahlen Wand steht ein Buffet, daneben eine Skulptur des österreichi -schen Ironiekünstlers Erwin Wurm, eine jener Gurken, die auch vor dem Festspielhaus aufgereiht sind. Allerdings in gediegenem Weiß, und nicht wie an der Salzach in Grün. Minimalistisch ist dieses Inferno, das Martin Zehetgruber da im Burgtheater für Jean-Paul Sartres Existenzialismus-Klassiker «Geschlossene Gesellschaft» gebaut hat.
Man weiß nicht so recht, ist es schick oder doch einfach nur deprimierend? Die Buffet-Metallbehälter sind natürlich leer. Wer isst schon im Jenseits?
Tobias Moretti betritt als altlinker Freiheitskämpfer Joseph Garcin seine neue Heimat durch den Zuschauerraum. Der Mann hat zwar politische Ideale, was ihn aber nicht davon abhielt, zu Lebzeiten seine Frau zu quälen und zu betrügen. Das gleißende Saallicht bleibt den ganzen Abend über an, schließlich soll das Publikum auch ein wenig das Gefühl haben, selbst im Fegefeuer zu sitzen. Toilettengänge seien strikt verboten während der Vorstellung, wird man bereits beim Einlass hingewiesen. Für manche durchaus eine Folter: Aus «Huis Clos», so der Originaltitel, ...
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Theater heute April 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 30
von Karin Cerny
Auf der Besetzungsliste von «Knechte» findet sich auch eine Amsel. Das verweist auf das Stück, mit dem Caren Jeß (geb. 1985) ihren Durchbruch hatte: «Bookpink», nominiert für die Mülheimer Theatertage 2020, besteht aus sieben kurzen Stücken, deren Protagonisten verschie -dene Arten von Vögeln – Pfau, Bussard, Spatz usw. – sind. Als «Bookpink» vor zwei Jahren – samt...
Am 24. Februar startete die Moskauer Zeitschrift «Teatr» eine Online-Chronik der Ereignisse nach der Invasion der Ukraine. Roskomnadzor, die Föderale Aufsichtsbehörde für Telekommunikation, Informationstech -nologien und Massenkommunikation in Russland, hält Informationen über den Beschuss ukrainischer Städte und den Tod ukrainischer Zivilisten durch die russische...
Als nekrophile Misogynie hat Literaturwissenschaftlerin Elisabeth Bronfen unser kulturgeschichtliches Tamtam um verblichene Frauen -figuren einmal bezeichnet: also als einen Frauenhass, der die Tote liebt. Und was zunächst nach einer eher speziellen psychischen Störung klingt, ist doch mindestens ein wiederkehrendes Motiv, wenn nicht gar stabiles Standbein der...
