Kiew gehört mir!
Vor einem Jahr ging die Beziehung mit dem Menschen, den ich liebe und den ich noch immer über alles liebe, in die Brüche. Das ganze letzte Jahr war ich nur damit beschäftigt gewesen, zu leiden und meinen Gesundheitszustand zu bedauern. Das war eine schleichende und langwierige Depression. Im Dezember jenes Jahres begriff ich, dass ich psychotherapeutische Hilfe brauche. Das hätte ich längst machen sollen, doch ich vermied sie unter allen Umständen, als wollte ich mich halb absichtlich selbst zugrunde richten.
Meine Psychotherapeutin heißt Dina und ist ziemlich gut, doch mein Bemühen endete mit einem Fiasko. Aber einen nützlichen Rat von Dina beherzigte ich weiterhin jeden Tag. Sie riet mir nämlich, ein Tagebuch meiner Emotionen zu führen, dafür habe ich mir eine spezielle App aufs Handy geladen. So entstand auch die Idee eines Tagebuchs, als der Krieg begann und ich begriff, dass das mein Schutzmechanismus ist, mein Versuch, mir selbst nützlich zu sein. Am zweiten Tag des Kriegs begann ich, chaotisch alles aufzuzeichnen, was mir wichtig ist, meine Gedanken, meine Handlungen, ich begann die Welt um mich herum, wie ich sie sehe, aufzuschreiben, alle Veränderungen; das half mir, einen ...
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Theater heute April 2022
Rubrik: Krieg in der Ukraine, Seite 5
von Pavlo Arie
Am Dienstag, dem 23. November 2021, drei Tage nach der Premiere von «Dziady» («Totenfeier») nach dem Drama von Adam Mickiewicz in der Regie von Maja Kleczewska, stürzten alle Server des Juliusz-Słowacki-Theaters in Krakau ab. Weder konnte man die Karten online kaufen, noch die Info-Hotline oder die Theaterkasse telefonisch erreichen. Ausgelöst wurde die Panne durch...
Der russische Überfall auf das Nachbarland dauert bei Redaktionsschluss an. Das Unfassbare – Krieg im Herzen Europas – sickert langsam in die Köpfe und Gefühle. Auf den folgenden Seiten Eindrücke, Notizen, Kommentare, Gespräche, Chats aus Kiew, Irpin, aber auch Moskau, wo couragierte Theaterkünstler:innen allen Repressionen zum Trotz ihre freie Meinung äußern. Die...
Sonntag, 6 März. Heute ist der elfte Tag, seit Russland den Krieg gegen mein Land begonnen hat. Nicht «Eska -lation des Konflikts» oder «Verschärfung der Ukraine-Krise», nicht «Entfesselung einer speziellen Militäroperation», sondern Krieg. Es ist schwer zu glauben, dass ein solch unerträglicher, absurder, grober und unaussprechlicher Akt der Aggression im 21....
