Das Rauschen der Stagnation
Der Vorlauf zu dieser Arbeit reicht bis in den Corona-Pandemiebeginn zurück, als Philipp Preuss im April 2020 mit seinem Zoom-Theaterprojekt «k. (nach Kafka)» einen ersten Aufschlag zu Kafkas Romanfragment «Das Schloss» gab. Ein Stück gestreamte Erzählkunst flackerte dort in den Bildschirmkacheln, mit schemenhaften Gesichtern und viel Schneelandschaft.
Es war eine dieser Arbeiten, die ich nach wenigen Minuten abschaltete, weil so ein eher narratives denn theatrales Werk doch besser als Hörspiel oder Podcast funktioniert, die man sich bei Spaziergängen durch die freie Natur locker aufs Ohr legen kann.
Jetzt kommt «Das Schloss» zwei Jahre später am Schauspiel Leipzig auf die Bühne. Aber dass es entschieden theatraler zugeht, lässt sich nicht behaupten. Es liegt eine flokati-flauschige Schneedecke auf der weitgehend leeren, von einigen Klavieren gesäumten Bühne, die ausschaut, als habe Anna Viebrock sie entworfen (tatsächlich war es Ramallah Aubrecht). Außen herum hängen in mehreren Bahnen pop-artgoldene Vorhänge Marke Jeff Koons, fahren immer mal wieder rauf und runter.
Sehr viel mehr Bewegung gibt es nicht. Kornelius Heidebrecht weht vom Klavier atmosphärischen Minimalismus ...
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Theater heute April 2022
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Christian Rakow
7. März 2022
Ich habe diese Zeilen so lange wie möglich aufgeschoben. Ihr habt keine Ahnung, wie viele Fragen mir gestellt werden:
– Warum gehst du nicht? Bist Du noch immer in Kiew?? – Denk an dich! Du musst leben! Wir brauchen dich!
– Bist Du verrückt geworden? Wir besorgen Dir ein gepanzertes Fahrzeug, um euch rauszuholen, Du wärest nicht die Letzte,...
Mein Leben mit dem Theater begann im März 1970, als ich in einer Schülergruppe bei den Städtischen Bühnen Münster mitarbeitete. Wir spielten die Fußball-Fans in Peter Tersons «Zicke-Zacke», einem Stück, das damals bundesweit Erfolge feierte. Die Deutsche Erstauf -führung hatte Hans Neuenfels in Heidelberg inszeniert. Es handelte von Gewalt unter den gegnerischen...
Der russische Überfall auf das Nachbarland dauert bei Redaktionsschluss an. Das Unfassbare – Krieg im Herzen Europas – sickert langsam in die Köpfe und Gefühle. Auf den folgenden Seiten Eindrücke, Notizen, Kommentare, Gespräche, Chats aus Kiew, Irpin, aber auch Moskau, wo couragierte Theaterkünstler:innen allen Repressionen zum Trotz ihre freie Meinung äußern. Die...
