Das Rauschen der Stagnation

nach Kafka «Das Schloss» im Schauspiel Leipzig

Theater heute - Logo

Der Vorlauf zu dieser Arbeit reicht bis in den Corona-Pandemiebeginn zurück, als Philipp Preuss im April 2020 mit seinem Zoom-Theaterprojekt «k. (nach Kafka)» einen ersten Aufschlag zu Kafkas Romanfragment «Das Schloss» gab. Ein Stück gestreamte Erzählkunst flackerte dort in den Bildschirmkacheln, mit schemenhaften Gesichtern und viel Schneelandschaft.

Es war eine dieser Arbeiten, die ich nach wenigen Minuten abschaltete, weil so ein eher narratives denn theatrales Werk doch besser als Hörspiel oder Podcast funktioniert, die man sich bei Spaziergängen durch die freie Natur locker aufs Ohr legen kann. 

Jetzt kommt «Das Schloss» zwei Jahre später am Schauspiel Leipzig auf die Bühne. Aber dass es entschieden theatraler zugeht, lässt sich nicht behaupten. Es liegt eine flokati-flauschige Schneedecke auf der weitgehend leeren, von einigen Klavieren gesäumten Bühne, die ausschaut, als habe Anna Viebrock sie entworfen (tatsächlich war es Ramallah Aubrecht). Außen herum hängen in mehreren Bahnen pop-artgoldene Vorhänge Marke Jeff Koons, fahren immer mal wieder rauf und runter.

Sehr viel mehr Bewegung gibt es nicht. Kornelius Heidebrecht weht vom Klavier atmosphärischen Minimalismus ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2022
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Christian Rakow

Weitere Beiträge
Im Zeichen der Gurke

Die Hölle sieht aus wie eine Premierenfeier der Salzburger Festspiele: Vor einer kahlen Wand steht ein Buffet, daneben eine Skulptur des österreichi -schen Ironiekünstlers Erwin Wurm, eine jener Gurken, die auch vor dem Festspielhaus aufgereiht sind. Allerdings in gediegenem Weiß, und nicht wie an der Salzach in Grün. Minimalistisch ist dieses Inferno, das Martin...

Unter Illusionsverdacht

Das Raumschiff ist nicht mehr das neueste. Schlappe 500 Jahre hat das Starship schon auf dem Tacho und seine Commanderin, Queen Lear, auf dem Buckel. Zeit für einen Neuanfang. Die Technik hält zwar gerade noch einigermaßen, auch wenn ein paar Schrauben locker sind, beim Asteroidenslalom der Kabelsalat aus dem Schaltbrett quillt und sich der alte Galaxien-Gleiter...

Vorschau 4/22

Der Link zwischen den Best-of-Festivals Berliner Theatertreffen und Mülheimer Stücke heißt Sivan Ben Yishai: Nach Berlin kommt Pinar Karabuluts Münchner Inszenierung von «Like Lovers do (Memoiren der Medusa)», nach Mülheim «Wounds are forever (Selbstporträt als Nationaldichterin)» aus Mannheim.

Ja, mach nur einen Plan. Brechts spöttischer Vers bringt Weltläufte und...