Machtkampf
Die katholische Maria Stuart weigert sich stolz, auf ihren englischen Thronanspruch zu verzichten und hat vielleicht auch ein, zwei Ehemänner um die Ecke gebracht. Ihre protestantische Ri -valin, Elisabeth I., als uneheliches Kind stets im Rechtfertigungsmodus und dennoch 45 Jahre lang Inhaberin der britischen Krone, fühlt sich bedroht – dieser Stoff hat nicht nur Friedrich Schiller fasziniert und ist doch in der klassischen Dramenstofflage eine Seltenheit, weil er zwei starke Frauen in den Mittelpunkt stellt.
Gleichwohl ist der Stoff als Stück auch recht trocken: Von Anfang an sitzt Maria Stuart im Gefängnis, nachdem sie bei Elisabeth eigentlich Schutz suchte. Von Beginn an ist klar, dass sie hingerichtet wird. Es geht nur noch um Detailfragen in diesem «analytischen Drama»: Wie versucht Maria, sich gegen ihr Todesurteil zu wehren, welche Strippen zieht sie, um vielleicht doch begnadigt zu werden – und warum kann Elisabeth nicht anders, als sie hinrichten zu lassen?
In Laura Linnenbaums Inszenierung am Schauspielhaus Düsseldorf donnert am Anfang und Ende Hildegard Knefs «Für mich soll’s rote Rosen regnen» über die Lautsprecher wie beim Amtsabtritt von Angela Merkel – und doch ...
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Theater heute April 2022
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Dorothea Marcus
Am 24. Februar startete die Moskauer Zeitschrift «Teatr» eine Online-Chronik der Ereignisse nach der Invasion der Ukraine. Roskomnadzor, die Föderale Aufsichtsbehörde für Telekommunikation, Informationstech -nologien und Massenkommunikation in Russland, hält Informationen über den Beschuss ukrainischer Städte und den Tod ukrainischer Zivilisten durch die russische...
Radikal auf sechs Tage verkürzt war diese zweiten Pandemie-Berlinale, in der sämtliche Besucher eingehegt waren in Sicherheitsmaßnahmen: 2G+ für die Presse, auch die geboosterte, zusätzlich die tägliche Testpflicht; halbleere Kinosäle, keine Partys, kein Gedrängel am roten Teppich, Glamourfaktor gegen Null. Von den 350 Filmen der schon im letzten Jahr stark...
Düdelingen liegt um die Ecke, «Dudelange» in der französischen Version; wie fast alle Städtchen hier immerzu die Namen wechseln, am Bahnsteig, bei der Post, in der Zeitung. Dies ist der äußerste Südzipfel vom Großherzogtum Luxemburg; und wie klein auch alles wirkt, so ist es doch eine der internationalsten Regionen Europas, mit ungezählten, rundum europäisch...
