Im Gespinst der Schuldzuweisungen
Ein trautes Heim war das Landhaus der Familie Tyrone noch nie. Nun unternimmt sie einen letzten Versuch zur Etablierung der harmonischen Ordnung. Der vom Geiz zerfressene Patriarch und abgehalfterte Musicalstar James ist dem Hochprozentigen ebenso verfallen wie James Junior, freier Theatermacher und folglich: abgebrannt. Der jüngere Sohn, Zeitungsschreiber Edmund, ist an Schwindsucht erkrankt, was just an jenem Tag bekannt wird, an dem Mutter Mary einmal mehr von einer Entziehungskur heimkehrt. Clean ist sie deshalb noch lange nicht.
Für alle vier gilt es, ein Familienidyll zu geben, wenigstens für einige Stunden. Doch die Fassade hält nur Augenblicke, rasch zeigen sich Risse auf der glattpolierten Oberflächlichkeit, brechen an allen Beziehungslinien tiefe Konflikte auf.
O’Neills 1940 verfasstes, halb-autobiografisches Stück ist von Hildegard Altmeyer als stahlhartes Gehäuse im Centraltheater umgesetzt. Ein Bauzaun und rote Vorhänge beschneiden den Bühnenraum. Die Zuschauerreihen sind reduziert – vielleicht als Reaktion auf ausbleibendes Publikum. Ohne Wirkung jedenfalls bleibt diese Maßnahme nicht: Das Publikum sitzt fast mittendrin im Gespinst gegenseitiger Schuldzuweisungen. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Rien ne va plus. Auf einem Flughafen, dem klassischen Nicht-Ort der Postmoderne, hat Tena Stivicic den Reisenotstand ausgerufen. Vermutlich ist die junge kroatische Autorin mit Wohnsitz in London und europäischer Karriere selbst Dauergast in Heathrow und all den anderen Passagierumschlagplätzen des Kontinents. Für ihr Stück «Funkenflug», das nach der Präsentation...
Die Comédie-Française ist das Theater Molières und noch immer eine von Frankreichs wichtigsten Bühnen: das «Théâtre français» oder kurz «le Français». Die Comédie-Française kämpft aber auch nach wie vor gegen einen verstaubten Ruf. Deklamationstheater, Beamtenschauspieler, Schnarchkunst – Muriel Mayette, seit zwei Jahren Intendantin, tut viel dagegen, sei es mit...
Ein Netz aus Wogen türmt und senkt sich: Schwere See im Theater Freiburg. Am schwarzen Himmel schwebt Ariel ein. Der Luftgeist zetert, zerrt vier Schiffbrüchige aus den Wellen, befördert das Quartett mit einem Tritt an Land. Auf Prosperos von unten illuminierter Zauberinsel stranden: König Alonso von Neapel (Ullo von Peinen), sein Bruder Sebastian (Albert Friedl),...
