Im Gespinst der Schuldzuweisungen
Ein trautes Heim war das Landhaus der Familie Tyrone noch nie. Nun unternimmt sie einen letzten Versuch zur Etablierung der harmonischen Ordnung. Der vom Geiz zerfressene Patriarch und abgehalfterte Musicalstar James ist dem Hochprozentigen ebenso verfallen wie James Junior, freier Theatermacher und folglich: abgebrannt. Der jüngere Sohn, Zeitungsschreiber Edmund, ist an Schwindsucht erkrankt, was just an jenem Tag bekannt wird, an dem Mutter Mary einmal mehr von einer Entziehungskur heimkehrt. Clean ist sie deshalb noch lange nicht.
Für alle vier gilt es, ein Familienidyll zu geben, wenigstens für einige Stunden. Doch die Fassade hält nur Augenblicke, rasch zeigen sich Risse auf der glattpolierten Oberflächlichkeit, brechen an allen Beziehungslinien tiefe Konflikte auf.
O’Neills 1940 verfasstes, halb-autobiografisches Stück ist von Hildegard Altmeyer als stahlhartes Gehäuse im Centraltheater umgesetzt. Ein Bauzaun und rote Vorhänge beschneiden den Bühnenraum. Die Zuschauerreihen sind reduziert – vielleicht als Reaktion auf ausbleibendes Publikum. Ohne Wirkung jedenfalls bleibt diese Maßnahme nicht: Das Publikum sitzt fast mittendrin im Gespinst gegenseitiger Schuldzuweisungen. ...
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Rien ne va plus. Auf einem Flughafen, dem klassischen Nicht-Ort der Postmoderne, hat Tena Stivicic den Reisenotstand ausgerufen. Vermutlich ist die junge kroatische Autorin mit Wohnsitz in London und europäischer Karriere selbst Dauergast in Heathrow und all den anderen Passagierumschlagplätzen des Kontinents. Für ihr Stück «Funkenflug», das nach der Präsentation...
Gleich in der ersten Einstellung von Lola Randls Debütfilm «Die Besucherin» überfährt Agnes einen Mann, der ihr offenbar von seinem Balkon direkt vors Auto gesprungen ist. Die Sachlichkeit, mit dem sie dem durchaus mitfühlenden Polizisten Rede und Antwort steht, ist beängstigend.
Agnes ist fremd, eine Besucherin in ihrem eigenen Leben, eingesperrt in Routine wie...
Ob er das Erdbeben nicht bemerkt hätte: «Die Erde schwankte etwas …», sagt Monika. Aber Gerd hat natürlich wieder einmal gar nichts mitbekommen. Sein Seismograf schlägt weder bei Naturkatastrophen aus, noch registriert dieser glatte Geschäftsmann Verwerfungen in seiner Beziehung. Also glotzt er nur blöd, pflanzt sich auf das Sofa und wartet erst einmal ab, was da...
