Im Gespinst der Schuldzuweisungen

Eugene O’Neill «Eines langen Tages Reise in die Nacht»

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Ein trautes Heim war das Landhaus der Familie Tyrone noch nie. Nun unternimmt sie einen letzten Versuch zur Etablierung der harmonischen Ordnung. Der vom Geiz zerfressene Patriarch und abgehalfterte Musicalstar James ist dem Hochprozentigen ebenso verfallen wie James Junior, freier Theatermacher und folglich: abgebrannt. Der jüngere Sohn, Zeitungsschreiber Edmund, ist an Schwindsucht erkrankt, was just an jenem Tag bekannt wird, an dem Mutter Mary einmal mehr von einer Entziehungskur heimkehrt. Clean ist sie deshalb noch lange nicht.

Für alle vier gilt es, ein Fami­lienidyll zu geben, wenigstens für einige Stunden. Doch die Fassade hält nur Augenblicke, rasch zeigen sich Risse auf der glattpolierten Oberflächlichkeit, brechen an allen Beziehungslinien tiefe Konflikte auf.

O’Neills 1940 verfasstes, halb-autobiogra­fisches Stück ist von Hildegard Altmeyer als stahlhartes Gehäuse im Centraltheater umgesetzt. Ein Bauzaun und rote Vorhänge beschneiden den Bühnenraum. Die Zuschauerreihen sind reduziert – vielleicht als Reaktion auf ausbleibendes Publikum. Ohne Wirkung jedenfalls bleibt diese Maßnahme nicht: Das Publikum sitzt fast mittendrin im Gespinst gegenseitiger Schuldzuweisungen. ...

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Theater heute Mai 2009
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Tobias Prüwer

Vergriffen
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