Gestochen unscharfe Polaroids
Deutschland, im Mai 1977. In München packt Franz Beckenbauer, der für ein paar Jahre zu New York Cosmos wechselt, gerade seine Koffer. In Stuttgart-Stammheim sind die Urteile im ersten großen RAF-Prozess gesprochen, deren verheerende Folgen noch nicht abzusehen sind. Und am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg wird «Trilogie des Wiedersehens», das dritte Theaterstück des jungen Dramatikers Botho Strauß, uraufgeführt.
Es ist der Durchbruch für einen Autor, der vorher Redakteur bei «Theater heute» und Dramaturg an der Schaubühne am Halleschen Ufer war.
In den achtziger Jahren wird Strauß das deutsche Theater erfolgreich mit intellektuellen Boulevardstücken («Kalldewey, Farce», «Die Zeit und das Zimmer») beliefern. In den Neunzigern dann wird er sich in einem «Spiegel»-Essay («Anschwellender Bocksgesang») als Neokonservativer outen, sich in seinen Stücken zunehmend von der schnöden Gegenwart entfernt und stattdessen lieber zeitloseren Themen wie der Odyssee («Ithaka») widmet. Heute lebt der 64-jährige Autor ziemlich zurückgezogen in der Uckermark; ab und zu erscheint ein maliziöses Prosabändchen, und wenn alle paar Jahre ein neues Stück herauskommt, hält sich die öffentliche ...
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