Hier wird nicht rumvereinzelt!
Was tun? Um es vorweg zu gestehen: Natürlich habe ich keine Ahnung, was zu tun ist, um emanzipatorische Impulse nicht absterben zu lassen. Geht man allerdings davon aus, dass ein einmal gegebener Impuls nicht so einfach aus der Welt zu schaffen ist (ich erinnere mich ganz vage an den Impulserhaltungssatz aus dem Physikunterricht), habe ich die Hoffnung, dass all diese Impulse der letzten Jahre ihre Wirkung erhalten und entfalten werden. Vielleicht schlägt er so, der Impuls der Zeit: Zwei Schläge vor, einer zurück.
Was heißt das für das Theater? All diejenigen, die fürchten, nicht mehr mitzukommen vor lauter emanzipatorischen Impulsen, sollten wir einladen, an die Hand nehmen und sanft hineinbegleiten in die wahren, schönen und guten Räume des Theaters. Die architektonischen, die gedanklichen, die zwischenmenschlichen.
Dann flüstern wir ihnen leise zu, dass alles nicht so schlimm wird, dass sie nun entspannen können, dass sie möglicherweise sogar lebendig wieder herauskommen. Nur als andere. Als sie befürchtet hatten. Denn ein solcher Prozess ist kein kurzer, der ihnen gemacht wird. Es ist ein längerer. Das Urteil sprechen sie am Ende selbst, über uns, über sich, die Überführten. ...
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Theater heute Jahrbuch 2026
Rubrik: Was tun?, Seite 63
von Markus Scheumann
Es ist wahr, dass die Gegenwart in die Vergangenheit schaut, dass jene gesellschaftlichen Kräfte enormen Aufwind, wenn nicht sogar eine kulturelle Dominanz zu gewinnen beginnen, die eigentlich alle emanzipatorischen Projekte der vergangenen Jahre und Jahrzehnte für beendet erklären möchten. Kräfte, die zwar vorgeben, Fortschritt zu wollen, zum Wohle aller,...
Ein Kraftwerk der Erinnerung: Geschlagene fünf pausenlose Stunden – es können je nach Vorstellung auch sechs oder sieben werden – sitzt Guido Lambrecht hochkonzentriert auf einem Bänkchen im Bühnenbild und spricht in sachlich referierendem Ton. Meist folgt seine Rede Michel Houellebecqs Roman «Serotonin», an einigen Stellen durchschossen mit eigenen biografischen...
Theater heute Stadttheater haben alle paar Jahre das Privileg eines Neubeginns: Die neue Leitung und ihr Ensemble können die Institution, die sie vorfinden, zumindest in Teilen neu definieren und erfinden. Diese Neudefinitionen sind in den letzten Jahren noch wichtiger geworden, weil der Veränderungsdruck auf die Häuser zugenommen hat: Es kommen Sparwellen der...
