Geschichten eine Stimme geben
Als mich die Anfrage erreichte, ob ich eine persönliche Anregung zu den emanzipatorischen Impulsen der letzten Jahre schreiben möchte, überkamen mich zwei Gefühle: große Lust, mich dieser Aufgabe zu stellen, direkt gefolgt von der Angst, was ich denn überhaupt zu sagen habe?
Ich bin Schauspielerin, Theatermacherin, keine Politikerin oder auch Aktivistin. Ich würde mich sogar selbst, leider, als zu unpolitisch bezeichnen in einer Zeit, in der es kaum möglich ist, unpolitisch zu sein.
Auf der anderen Seite merke ich, dass für mich Dinge selbstverständlich sind, die in anderen Widerstand oder Unverständnis auslösen. Für mich stellt sich z.B. gar nicht die Frage, ob ich gendere, ich tue es einfach. Für andere mag dies eine Verhunzung der deutschen Sprache bedeuten, für mich bedeutet es Inklusion. Mich kostet dieser Vorgang nichts, es ist eine Millisekunde, eine winzige Pause, für andere bedeutet es hingegen, dass sie dazugehören. Es ist ein Zeichen dafür, dass unsere Gesellschaft divers ist. Oft sind es doch die kleinen Dinge, das ganz Alltägliche, das einen Menschen politisch macht oder das einen Unterschied bringt. Aber vielleicht sage ich mir das auch nur, um mich nicht jeden Tag ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2026
Rubrik: Was tun?, Seite 44
von Paulina Alpen
Spielzeit 2025/26. Kyiw unter Raketenfeuer. Gaza in Trümmern. Der Sudan versinkt im Bürgerkrieg. Im Persischen Golf brennen Öltanker. Myanmar bombardiert Dörfer. Europa diskutiert Aufrüstung und Wehrpflicht. Die Welt zählt so viele bewaffnete Konflikte wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Drohnenangriffe, Stromausfälle, Hunger, Flucht, Zerstörung. Demokratien geraten...
Ich schreibe über meinen Vater in der Vergangenheitsform, und ich kann nicht glauben, dass ich über meinen Vater in der Vergangenheitsform schreibe.» So endet Chimamanda Ngozi Adichie ihren Essay «Notes on Grief», auf Deutsch erschienen als «Trauer ist das Glück, geliebt zu haben». Mit diesem poetischen Titel möchte ich persönlich Trauer auch mit Trost und...
Die erste Pointe lauert im Titel selbst. Wir sind scheinbar konfrontiert mit einem Kalenderkalauer: Alles Komische ist tragisch. Komik und Tragödie erklären sich gegenseitig. So einfach. So frech. So irreführend. So programmatisch.
Jedoch, der Autor Canberk Köktürk interessiert sich in seinem ersten Theaterstück, das als Auftragswerk für das Düsseldorfer...
