Ent- und Vergiftungen im Spa-Bereich
Das diesjährige Gewinnerstück des Heidelberger Stückemarkts spielt ausgerechnet im Raucherbereich eines Meditations-Retreats. Die Ausgangssituation ist gut gewählt: Es ist der Ort, an dem möglich scheint, was im Retreat eigentlich durch strenge Regeln verboten ist: Reden und Rauchen. Wer sich darin aufhält, unterläuft automatisch schon die zugrundeliegenden Verabredungen. Achtsamkeit: Fehlanzeige.
Lennart Kos präsentiert mit «Balance und Harmony» ein raffiniertes Kammerspiel, in dem er mit viel Witz und großer Beobachtungsgabe fünf Gäste des Retreats eine Woche aufeinandertreffen lässt. Der Aufenthalt kostet pro Kopf circa 4000 Euro – wer sich hier versammelt, kann es sich leisten. Die scheinbar oberflächliche Banalität und die Beiläufigkeit, mit der die Gespräche geführt werden, täuschen nicht darüber hinweg, dass sich hier schön subtil neben der Conditio humana das Wesen privilegierter Wohlstandsmenschen offenbart.
Ganz nebenbei werden schwerste Themen wie Tod, Verlust, Trauer, Selbstwirk -samkeit, Sucht und Konflikt behandelt. Kos spielt geschickt auf der Dialog-Klaviatur: Es wird nie zu viel verraten, jede Figur gibt gerade genug Informationen über sich preis, und alle werden ...
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Theater heute Jahrbuch 2026
Rubrik: Neue Stücke, Seite 142
von Lovis Fricke
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