Haltung und Unterhaltung
Es ist wahr, dass die Gegenwart in die Vergangenheit schaut, dass jene gesellschaftlichen Kräfte enormen Aufwind, wenn nicht sogar eine kulturelle Dominanz zu gewinnen beginnen, die eigentlich alle emanzipatorischen Projekte der vergangenen Jahre und Jahrzehnte für beendet erklären möchten. Kräfte, die zwar vorgeben, Fortschritt zu wollen, zum Wohle aller, behaupten sie, tatsächlich aber vor allem danach trachten, die Vormachtstellung bestimmter Kasten oder sogenannter Volksgruppen abzusichern und auszuweiten.
Kräfte, die dazu Gespenster aus der Vergangenheit herbeirufen, die in Europa eigentlich als für immer gebannt galten. Eigentlich.
Als Theaterschaffende können wir dem innerhalb unseres Berufes vor allem eines entgegen setzen: Eine Kunst, die laut und klar und vielschichtig die Widersprüche und die Lügen der populistischen, völkischen und technofaschistischen Kräfte offenbart – und diese in Theaterabende packt, die zuallererst Kraft geben, Mut machen, eine gute Zeit versprechen. Um dort hinzuge -langen, lohnt allerdings auch für ein progressives, unterhaltsames und waches Theater ein Blick in den Rück -spiegel. Denn: Im großen Reservoir der Geschichte lauern nicht nur böse ...
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Theater heute Jahrbuch 2026
Rubrik: Was tun?, Seite 57
von Pinar Karabulut
Ich befinde mich auf einer Bahnfahrt zwischen Dresden und Berlin. Auf meinem Sitzplatz angekommen, krame ich Bücher aus meiner Tasche, um zu arbeiten, als mein Blick auf die sächsische Ausgabe der «Bild»-Zeitung fällt. Sie gehört der Frau, der ich gegenübersitze. Die Schlagzeilen kann ich nicht lesen, denn darüber liegt ein Buch über die Gefährdung Deutschlands...
Ja, leider, der Backlash ist in vollem Gang. Und ich fürchte, dies ist erst der Anfang dieser erschreckenden Entwicklung: In der Politik, gesellschaftspolitisch im Großen, zwischenmenschlich im Kleinen, das Theater und die Medien gleichermaßen betreffend. Das dürfen wir als (Theater-)Menschen, als Gesellschaft, weder tolerieren noch akzeptieren.
Angst,...
Das diesjährige Gewinnerstück des Heidelberger Stückemarkts spielt ausgerechnet im Raucherbereich eines Meditations-Retreats. Die Ausgangssituation ist gut gewählt: Es ist der Ort, an dem möglich scheint, was im Retreat eigentlich durch strenge Regeln verboten ist: Reden und Rauchen. Wer sich darin aufhält, unterläuft automatisch schon die zugrundeliegenden...
