Göttingen: Liebe in Zeiten von Easyjet

Rebekka Kricheldorf «In der Fremde» (U)

Theater heute - Logo

Die Globalisierung hat auch ihre lustfördernden Seiten: Sextourismus war noch nie so einfach wie heute. Rebekka Kricheldorfs «In der Fremde» versammelt ein paar besonders spektakuläre Exemplare westlicher Alltagssexisten, die in Thailand, Mexiko oder Jamaica ihre überlegene Wirtschaftskraft potenz- oder zumindest frequenzsteigernd einsetzen. Ihr überbordender Geschlechtstrieb wird dabei nur noch von ihrer Redefreudigkeit übertroffen.


Der schwule amerikanische Erbe hängt bis unter die Pupille randvoll mit Drogen am Tresen einer versifften Bar ab, philosophiert über die Vorzüge der ungebundenen erotischen Käuflichkeit und entwickelt eine astreine Paranoia, dass ihn seine stinkreichen Eltern doch noch am ewigen entspannten Abhängen hindern könnten. Auch die ehelebenslang sexuell unterversorgte klapprige Gräfin oder der längst schon in die Impotenz entspannte Hans quatschen einem Barmann das Ohr ab, der sich seinerseits darauf verlegt hat, alkoholisch geschwächte Touristinnen unter Zuhilfenahme von coolen Heiner-Müller-Zitaten um den Restverstand zu vögeln.

Die sexuelle Instrumentalisierung der Lebensverhältnisse kennt unterschiedlich subtile Formen: Clemens, der deutsche ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2016
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Franz Wille

Weitere Beiträge
Vorschau · Impressum

Pläne der Redaktion

Neues von Philippe Quesne:
Er leitet seit zwei Jahren das Theatre Nanterre-Amandiers und bringt seine neue Inszenie-rung «Caspar Western Friedrich» an den Münchner Kammer­spielen heraus

Dimitrij Schaad ist ein «Masterpiece of Integration» – das sagt er auch selbst.
Ein Porträt

Auch im New Yorker Meltingpot ist Integration keine einfache Sache,...

Film: Außer Kontrolle

Er war Tschechows Onkel Wanja und Kleists Kurfürst Friedrich Wilhelm, Schillers Präsident von Walther, der weise Nathan und Galileo Galilei. Wen auch immer er spielte, am Hamburger Thalia Theater, am Berliner Maxim Gorki und jetzt in Stuttgart: Sie waren unverwechselbar in ihrer körperlichen Präsenz. Ein wuchtiger Körper, dieses Gesicht mit der Pinocchio-Nase, das...

Zweite allgemeine Verunsicherung

«Wahrscheinlich trage ich eine furchtbare Schuld, aber meine Gedanken sind ganz durcheinander, meine Seele ist in Trägheit erstarrt, und ich habe nicht die Kraft, mich zu verstehen.» (Iwanow)



1. MEIN MANTRA

Ich bin ein Mensch, ich bin ein Mensch, ich bin schon erwachsen, ich bin schon erwachsen, ich bin okay, das ist mein Mantra, das ist mein Mantra, das ist...