Fragmente einer Sprache der Trauer
Ich schreibe über meinen Vater in der Vergangenheitsform, und ich kann nicht glauben, dass ich über meinen Vater in der Vergangenheitsform schreibe.» So endet Chimamanda Ngozi Adichie ihren Essay «Notes on Grief», auf Deutsch erschienen als «Trauer ist das Glück, geliebt zu haben». Mit diesem poetischen Titel möchte ich persönlich Trauer auch mit Trost und Schönheit verbinden, das einstige Glück betonen, dankbar sein können für das, was war, wenngleich zu kurz.
Man kann aber zum Beispiel auch um Menschen, um Liebe, Fürsorge oder Sicherheit trauern, die man nie hatte, trauern und wütend sein, weil Eltern fehlten, fern und fremd blieben. Weil man sich selbst und anderen fremd und fern bleibt. Man kann um sehr Verschiedenes trauern – und sehr verschieden. «I grieve different», singt Rapper Kendrick Lamar 2022 (nicht «differently»). Sein Song trägt den Titel «United in Grief». Verbindet uns die Trauer, trennt sie uns? Darum geht es – unter anderem – in dem Stück «I. Grief. Different. Ein Trauerfest», das Autor Ralph Tharayil für eine Inszenierung von Miriam Ibrahim am Theater Bremen als Auftragswerk geschrieben hat. Es ist nicht so sehr eine autobiografische, tagebuchliterarisierende ...
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Theater heute Jahrbuch 2026
Rubrik: Neue Stücke, Seite 155
von Stefan Bläske
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