Genug ist nicht genug
Gleich in der ersten Einstellung von Lola Randls Debütfilm «Die Besucherin» überfährt Agnes einen Mann, der ihr offenbar von seinem Balkon direkt vors Auto gesprungen ist. Die Sachlichkeit, mit dem sie dem durchaus mitfühlenden Polizisten Rede und Antwort steht, ist beängstigend.
Agnes ist fremd, eine Besucherin in ihrem eigenen Leben, eingesperrt in Routine wie die Kakerlake, die im von ihrer Tochter als buntes Wohnzimmer ausgemalten Schuhkarton die Wände hochkrabbelt.
Immer wieder sieht man sie im Auto, einem potenziellen Fluchtvehikel, das sie doch nur von A (Zuhause) nach B (Arbeit) bringt. Und irgendwann nach C, in eine verlassene Wohnung, deren Schlüssel ihr die ganz anders gestrickte, blind ihren Impulsen folgende Schwester Carola (Jule Böwe) zugesteckt hatte, die, statt dort auftragsgemäß Blumen zu gießen, mal wieder spontan aufbrach, nach Andalusien, zu einem Lover. Die leere Wohnung mit den verdorrten Blumen, dem toten Wellensittich wird ein unheimliches Refugium für Agnes. Sie fädelt sich ein ins Leben der unbekannten Bewohner, hört den Anrufbeantworter ab, stöbert in Briefen, liest Bücher an den Stellen weiter, wo das Lesezeichen hängt. Kommt den fremden Leben auf die ...
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