Klavier in Plastik

Nino Haratischwili «Liv Stein»

Theater heute - Logo

Der D 274 ist nicht irgendeiner, es ist der Steinway an sich und in etwa genau so eindrucksvoll, wie man sich eine abweisende Diva vorstellen muss. In Heidelberg, wo die aus Georgien stammende Nino Haratischwili ihr «Liv Stein» jetzt selbst zur Uraufführung gebracht hat, steht der Konzertflügel wie ein Kunstobjekt auf einem Sockel, ist allerdings mit einer dicken Plastikfolie abgedeckt. Davor streckt sich ein langer Tisch, und man versteht: Hier hat eine Frau eine Barriere zwischen sich und die Welt gebaut, weil da dummerweise diese Vergangenheit ist.



Liv Stein hatte einen Sohn, den sie in ein Internat gab, während sie selbst ihre Karriere als Konzertpianistin vorantrieb. Dann starb er an einem Hirntumor und ließ sie allein mit Schuldgefühlen zurück. Dass der Gatte, ein minder begabter Flötist, sich da auch noch eine jüngere Frau anlachte, war nicht unbedingt hilfreich und führt dazu, dass Heidelbergs Liv gleich im ersten Bild überaus deutlich macht, wie man sich Isolation vorzustellen hat. Simone Mende steht mit dem Rücken zum Publikum und ist eine eisige Ikone. Dann kommt Lore, die angeblich «nur» Meisterschülerin sein will. Dass die kühle Pianodiva sich auf das begabte Gör ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2009
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Jürgen Berger

Vergriffen
Weitere Beiträge
Gegenkritik: Stephan Kimmig

Zu den wohlfeilsten Abwehrreflexen, die beim Ansehen eines künstlerischen Vortrags oder eben eines Theaterabends entstehen, gehört das Etikett: «krank». Warum? Weil «krank» eben nicht wir sind. Wir sind normal, und die da auf der Bühne sind krank. Man kann nur Vermutungen anstellen, warum diese Reflexe immer wieder so schnell greifen. Erzeu­gen die Figuren eine...

Der Direktor

Michael Merschmeier Die Kinder-Frage zuerst: Was war die erste Aufführung, an die Sie sich heute noch erinnern?

Jürgen Schitthelm Das kann ich Ihnen ganz genau sagen. Ich bin ja im Ostteil Berlins
aufgewachsen. 1951 haben wir mit der Klasse im staatlichen «Theater der Freundschaft»
ein Stück gesehen – fragen Sie mich nicht nach dem Autor –, das «Schneeball» hieß....

Der Moment der Abrüstung

Wenn Christoph Schlingensief in Wien auftrat, ob mit einer Aktion wie «Ausländer raus!» vor der Oper oder mit Projekten wie «Bambiland» oder «Area 7» im Burgtheater, erwachte die Stadt für kurze Zeit aus ihrem restaurativen Schlummer.

«Provokation!», rief es und «Was will der denn schon wieder!». Journalisten und Leserbriefschrei­ber suchten in den Projekten nach...