Geist der Zersetzung
Beweisaufnahme. Ein Lastenheber rasselt in den Bühnenuntergrund, fördert zerstörte Kunstwerke zutage. An der Indizienkette baumelt bald ein Rubens, bald ein Raffael, in Folie verpackt und verzurrt, vor allem aber: zerrissen, zerbrochen, zerschlagen. Regisseurin Christiane Pohle und ihr Dramaturg Malte Ubenauf haben das späte, sperrige Prosawerk «Alte Meister» ins Basler Schauspielhaus gehievt. Im Prolog schnarrt Chantal Le Moign als Prozessbevollmächtigte Registriernummern und Zerstörungsgrade ins Mikrofon.
Eine Schulklasse starrt die Fragmente an, und den mutmaßlichen Kunstschänder dazu: Reger heißt er. Musikkritiker, Philosoph, «Times»-Autor, Thomas-Bernhard-Double, von Urs Bihler wachsbleich auf der Anklagebank ausgestellt, auf Unnahbarkeit getrimmt.
Bihler gibt einen radikalen Geistesfürsten, der zunächst zu allem schweigt. Dass ihm der Prozess gemacht wird, weil er im Kunsthistorischen Museum Wien, wo er seine Tage vor einem Tintoretto zu vergrübeln pflegt, offenbar Amok gelaufen ist – diese Spielsituation haben Pohle und Ubenauf erfunden, das steht so nicht bei Bernhard. Reger ist ein Denker, kein Aktivist. Aber: Die Idee ist akzeptabel. Sie erlaubt der Regie, die ...
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Franz Wille (am Telefon) Hallo Frau Syha, ich habe diese Nummer von Ihrem Theaterverlag, wo sind Sie denn jetzt gerade?
Ulrike Syha In der Casa Baldi, 60 Kilometer von Rom entfernt, sozusagen in der Außenstelle der Villa Massimo.
Fw Dort verleben Sie gerade ein Arbeitsstipendium und schreiben an einem neuen Stück?
Syha Da verbringe ich die Tage und schreibe an einem...
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