Geist der Zersetzung

Thomas Bernhard «Alte Meister»

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Beweisaufnahme. Ein Lastenheber rasselt in den Bühnenuntergrund, fördert zerstörte Kunst­werke zutage. An der Indizienkette baumelt bald ein Rubens, bald ein Raffael, in Folie verpackt und verzurrt, vor allem aber: zerrissen, zerbrochen, zerschlagen. Regisseurin Christiane Pohle und ihr Dramaturg Malte Ubenauf haben das späte, sperrige Prosawerk «Alte Meister» ins Basler Schauspielhaus gehievt. Im Prolog schnarrt Chantal Le Moign als Prozessbevollmächtigte Registriernummern und Zerstörungsgrade ins Mikrofon.

Eine Schulklasse starrt die Fragmente an, und den mutmaßlichen Kunstschänder dazu: Reger heißt er. Musikkritiker, Philosoph, «Times»-Autor, Thomas-Bernhard-Double, von Urs Bihler wachsbleich auf der Anklagebank ausgestellt, auf Unnahbarkeit getrimmt.

Bihler gibt einen radikalen Geistesfürsten, der zunächst zu allem schweigt. Dass ihm der Prozess gemacht wird, weil er im Kunsthis­torischen Museum Wien, wo er seine Tage vor einem Tintoretto zu vergrübeln pflegt, offenbar Amok gelaufen ist – diese Spielsituation haben Pohle und Ubenauf erfunden, das steht so nicht bei Bernhard. Reger ist ein Denker, kein Aktivist. Aber: Die Idee ist akzeptabel. Sie erlaubt der Regie, die ...

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Theater heute Dezember 2008
Rubrik: Chronik, Seite 48
von Stephan Reuter

Vergriffen
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