Hoffnung auf Änderung
Viel Unglück für Ursula, Anfang 60, alleinstehend, kinderlos. Abends wird sie von ihrer unerbittlich geselligen Mutter terrorisiert, mittags von der netten Kollegin Sabine niedergeredet. Zwischendurch flieht sie in erotische Fantasien mit Harald, ihrem ersten Freund. Dann stirbt die Mutter, und Ursula wird arbeitslos. Folgt ein freudloser Urlaubsversuch und eine triste Männerbekanntschaft mit einem geilen Rentner, der sie auch noch sitzen lässt.
Am Ende soll sie nach dem Willen ihres Autors sogar die lindernden Träumereien mit Harald aufgeben, um nach Silvester ein neues Leben zu beginnen.
Jan Neumanns «Herzschritt» türmt die Klischees des Sozialdramas vom ausweglosen Unglück mit finalem Hoffnungssilberstreif furchtlos übereinander und lässt dabei offen, ob er das Genre in die tiefste Verzweiflung oder die gröbste Parodie stürzen will. Gesprochen wird – von Sabines Logorrhoe einmal abgesehen – wortkarg wie beim frühen Kroetz, was 30 Jahre nach «Heimarbeit» allerdings nicht mehr nach sozialer Not klingt, sondern nur noch beschränkt.
Menschen auf der Bühne müssen nicht unbedingt intelligent sein, wenn sie nur ein Problem haben, mag sich Katja Paryla gesagt haben. Ihre Ursula steht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Krisenzeiten sind Zeiten der Techniker. Mit rasanter Geschwindigkeit und dem Einsatz von anderthalb Bundeshaushalten wurde im schwarzen Herbst 2008 die Geldturbine wieder angeworfen. Noch nie haben sich die Regierenden in Europa und Amerika in so kurzer Zeit einigen und rasch entscheiden können und dabei so große Geldsummen in die Hand genommen. Weder die...
Zurzeit ist es schwierig, jemanden aus der New Yorker Theaterwelt ans Telefon zu bekommen. Seit zwei Monaten redet die Stadt über nichts anderes als den Zusammenbruch der Wall Street, den globalen Finanz-Meltdown, steigende Arbeitslosenzahlen und die anstehende Kreditkartenkrise. Erst seit der Wahlnacht ist die Stimmung besser, und die Obama-Euphorie möchte man...
Die Legende geht, Alexander Wewerka habe 1983 bei der Gründung und gewerblichen Anmeldung seines Verlags nicht mal einen Namen für dieses Projekt gehabt. Im letzten Moment fiel ihm der eigene Vorname ein und eine Grafik von Roland Topor in die Hand. Der auf einem Gehirn wedelnde Skiläufer wurde, soweit ich das beurteilen kann, zum ungewöhnlichs-ten Logo der...
