Hoffnung auf Änderung
Viel Unglück für Ursula, Anfang 60, alleinstehend, kinderlos. Abends wird sie von ihrer unerbittlich geselligen Mutter terrorisiert, mittags von der netten Kollegin Sabine niedergeredet. Zwischendurch flieht sie in erotische Fantasien mit Harald, ihrem ersten Freund. Dann stirbt die Mutter, und Ursula wird arbeitslos. Folgt ein freudloser Urlaubsversuch und eine triste Männerbekanntschaft mit einem geilen Rentner, der sie auch noch sitzen lässt.
Am Ende soll sie nach dem Willen ihres Autors sogar die lindernden Träumereien mit Harald aufgeben, um nach Silvester ein neues Leben zu beginnen.
Jan Neumanns «Herzschritt» türmt die Klischees des Sozialdramas vom ausweglosen Unglück mit finalem Hoffnungssilberstreif furchtlos übereinander und lässt dabei offen, ob er das Genre in die tiefste Verzweiflung oder die gröbste Parodie stürzen will. Gesprochen wird – von Sabines Logorrhoe einmal abgesehen – wortkarg wie beim frühen Kroetz, was 30 Jahre nach «Heimarbeit» allerdings nicht mehr nach sozialer Not klingt, sondern nur noch beschränkt.
Menschen auf der Bühne müssen nicht unbedingt intelligent sein, wenn sie nur ein Problem haben, mag sich Katja Paryla gesagt haben. Ihre Ursula steht ...
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Zugegeben: ein Stück aus dem Giftschrank der Theaterliteratur, ein Spätwerk Shakespeares (aller Wahrscheinlichkeit nach aus den Jahren 1605 bis 7/8), das er selbst nie aufgeführt hat. Viele Philologen glauben, dass Shakespeare die Arbeit am Werk vorzeitig abbrach, manche gehen davon aus, dass einige Szenen der ersten Druckfassung von 1623 von anderen Autoren...
Aber natürlich sollen die Theater, also wir, jetzt etwas zur Bankenkrise machen! Endlich mal ein Thema, bei dem man weiß, dass es die Zuschauer auch dann noch beschäftigt, wenn der Apparat endlich angeworfen ist und in ein paar Monaten die ersten Ergebnisse ausspuckt. Zumal ja gerne gesagt wird, man wisse nicht genau, bei wem die Krise wann und wie heftig ankommen...
Zeit: 27. Oktober 2008, der Montag nach der Premiere
Ort: Die Feuilleton-Titelseiten
Stimmen:
MODERATOR
Matthias HEINE («Endlich mal wieder Strumpfhosen», Die Welt)
Ralf-Carl LANGHALS («Wunder gibt es immer wieder», Mannheimer Morgen)
Peter MICHALZIK («Best of Germany», Frankfurter Rundschau)
Roland MÜLLER («Demut, dein Name ist Schmidt», Stuttgarter Zeitung)
Christopher...
