«Ich find’s eine großartige Situation!»
Eva Behrendt Ist der Kapitalismus jetzt vorbei?
Harald SchmidtDer Kapitalismus blüht mehr denn je. Und er funktioniert! Wer Fehler macht, fliegt vom Markt. Jede Firma, die zusammenkracht, zeigt, dass die Marktwirtschaft funktioniert.
EB Auch wenn der Staat das Zusammengekrachte wieder aufkehren muss?
Schmidt Die Frage ist ja, ob das Zusammengekrachte sich aufkehren lässt. Wie es aussieht, weigern sich die Besserverdiener unter den Banken, das Geld anzunehmen.
Wenn ich es richtig verstanden habe, ist die Politik schon richtig böse, so nach dem Motto: «Unserer Hilfe entgeht ihr nicht.» Mir hat imponiert, dass Josef Ackermann anscheinend die ganze Branche mit einem kolportierten Satz aufwirbeln kann. Außerdem habe ich in einer Umfrage gelesen, dass nur 27 Prozent der Deutschen sich von der Finanzkrise betroffen fühlen. Auch hier im Theater ist das übrigens kein Thema.
EB Keine Schadenfreude? Eigentlich ist es doch Standard, dass man als Theatermacher gegen den Kapitalismus ist.
Schmidt Definitiv. Aber der Anti-Kapitalismus hat es im Augenblick unglaublich schwer auf der Bühne, weil das, was der Kapitalismus bietet, in dem Tempo und in dieser Auswirkung auf der Bühne gar nicht darstellbar ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Nein, hatte Ozan vor zwei Jahren gesagt, er könne doch jetzt keinen Gemüseladen oder eine Döner-Bude in der Stadt aufmachen. Aber was solle er tun? Damals stampfte er bei diesen Sätzen mit den Füßen auf, vor Kälte und auch vor Wut. Die Hände streckte er in Richtung der Flammen, die aus den verrosteten, zu Öfen umgerüsteten Benzinfässern züngelten: «Auswandern...
Franz Wille (am Telefon) Hallo Frau Syha, ich habe diese Nummer von Ihrem Theaterverlag, wo sind Sie denn jetzt gerade?
Ulrike Syha In der Casa Baldi, 60 Kilometer von Rom entfernt, sozusagen in der Außenstelle der Villa Massimo.
Fw Dort verleben Sie gerade ein Arbeitsstipendium und schreiben an einem neuen Stück?
Syha Da verbringe ich die Tage und schreibe an einem...
Aber natürlich sollen die Theater, also wir, jetzt etwas zur Bankenkrise machen! Endlich mal ein Thema, bei dem man weiß, dass es die Zuschauer auch dann noch beschäftigt, wenn der Apparat endlich angeworfen ist und in ein paar Monaten die ersten Ergebnisse ausspuckt. Zumal ja gerne gesagt wird, man wisse nicht genau, bei wem die Krise wann und wie heftig ankommen...
