Futterneid an der teuren Tafel
Über den Mittag essen auch schon mal Banker im schönen Biergarten. Keine Würste, eher Piccata Milanese oder ein Tandoori. An den Wochenenden feiert ein szenenunspezifisches Publikum im Restaurant Reithalle jene Art von Allerwelts-Disco, die man in ihrem unverfrorenen Balzritual provinziell nennen mag. Und am Abend erwartet das Publikum in den ehemaligen Militärstallungen des Theaterhauses Gessnerallee, dass sich das freie Theater und der Tanz auf ihrer aktuellen Höhe zeigen. Glamouröser wird’s nicht abseits des Stadttheaters. Wer hier groß rauskommt, kann noch größer rauskommen.
Sei’s für eine Koproduktion mit städtisch geförderten Gruppen, für ein nationales oder ein internationales Gastspiel, für welches paritätische Drittel auch immer: Die «Gessi» bleibt die erste «freie» Adresse im Land. Denn das Haus hat eine «Schweizer Ausbauqualität» – sagt ein deutscher Ex-Direktor –, es liegt unweit des Zürcher Bahnhofs und des Bankenviertels, vermittelt durch zwei Flüsse aber etwas Insulares. Über die Straße besetzen die Hochschule für Theater und ihre zwei Bühnen die andere Seite der «Kulturinsel», ein Werbewort, das so niemand benutzt, weil Kultur in Zürich wirklich nicht Ausnahmegebiet ...
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Menschen rennen durch die Nacht. Erst waren nur ein paar Spaziergänger in Laufschritt gefallen, dann schwoll das Läufertrüppchen zum Rudel an. Jetzt dröhnt und knarrt der Bühnenboden unter den polternden Tritten der Turnschuhe und Badelatschen. Stumm wälzt sich die Herde, vielleicht auf der Flucht, vielleicht auf der Jagd, Runde um Runde über die «Ebene von...
Ein Biomediziner, der Frau und Kind Schweineherzen einpflanzt, um sich dereinst zum Retter der geklonten Menschheit auszurufen. Ein Terrorist, der ahnungslosen Hotelbettinsassen eine fette Knarre an den schlaftrunkenen Schädel drückt, um sich mal wieder wild und frei zu fühlen. Zwei Schauspieler, die dazu neigen, sprunghaft aus der Rolle zu fallen, um sich an...
Wer Globalisierung verstehen will, muss dicke Bücher lesen. Da hilft nix. Kein arte, kein Internet und auch keine Spiegel-Dossiers. Denn mit dem vermeintlichen Wissen über die Globalisierung verhält es sich ganz ähnlich wie mit dem weit verbreiteten Glauben, das neudeutsche Adolf-TV würde den Nationalsozialismus erklären. Nachkolorierte NS-Dokus mit dramatischer...
