Bei Hänger Themenschwenk

Opfer am Altar der Unterhaltsamkeit: Yasmina Rezas kurzer Roman «Adam Haberberg»

Theater heute - Logo

Ob so ein Medizinhalbgott überhaupt ahnt, was er mit einem einzigen, achtlos hingeworfenen Sätzchen alles anrichten kann? «Das können Sie ruhig nehmen», hat der nachträglich konsultierte bekannte Spezialist über das vom Allgemeinmediziner verordnete Medikament etwas wegwerfend gesagt. Und mit einem Schlag war dieses Mittel für den Patienten Adam Haberberg entzaubert. Lustlos nur noch obliegt er der Einnahme, die er doch zuvor mit hoffnungsvoller Feierlichkeit vollzog, kaum dass er noch recht an seine Wirksamkeit glaubt.

Hauptsache, er nimmt’s, denkt sich dazu vielleicht der Arzt, aber damit bewiese er nur, wie wenig er von den Leiden empfindsamer Gemüter versteht, wie wenig er sich vorstellen kann, was ein Adam Haberberg mitmacht. Für den kommt es im Moment überhaupt knüppeldick. Eine Thrombose hinter einem Auge hat seine Sehschärfe vermindert. Das könne durchaus wieder werden, hat der Ophthalmologe versichert (muss aber nicht, dachte und denkt Schwarzseher Adam natürlich seither bei sich selbst). Aber angefügt hat er die Beobachtung, es fänden sich außerdem Anzeichen für ein beginnendes Glaukom, man werde in einigen Wochen Näheres untersuchen.

 

Der ganze Schlamassel

Auch ein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2005
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Dorothee Hammerstein

Vergriffen
Weitere Beiträge
Mutwillige Sachunkenntnis

Was ist wichtiger: Theater oder Tagesstätten? Das ist so ungefähr die dämlichste Frage, die man Amélie Niermeyer antun kann – einer Frau, die seit sieben Jahren Erfahrung darin hat, Karriere und Kind unter einen Hut zu bringen. Stellen wir sie trotzdem, diese dämliche, gefährliche Frage. Sie hat die Noch- und bald Ex-Intendantin in ihren drei Freiburger Spielzeiten...

Bleiben oder weg gehen?

Simon Stephens kommt aus Stockport und ging fort, erst nach York, dann nach London. Sein zweites Stück «Port» (nach «Reiher», Stückabdruck in TH 4/03) spielt in einer, dieser Kleinstadt und handelt vom Fortgehen, von Aufbruch. Sein drittes, «One Minute», spielt in London und handelt, ja, auch vom Fortgehen, aber ebenso vom Bleiben, von Stagnation, vom Leben ohne...

Ächzende Kleinfamilien

Ungefähr fünfzehn dürfte der Knabe sein, der in Claudius Lünstedts «Zugluft» so seine Probleme mit den lieben Eltern hat. Er lebt in einer Familie, die als Beleg der These fungiert, dass sich in deutschen Haushalten seit einiger Zeit ein Erziehungsvakuum ausbreitet, in dem vor allem zunehmend autoritätsresistente und gewaltbereite Jungen heranwachsen. Der...