Regeln der Fernsehmenschlichkeit
Für Schauspielerinnen und Schauspieler ist die Nachrichtensprecherei vielleicht die größte Herausforderung unserer Tage. Zwischen kritischem Verfremdungseffekt und Einfühlungstheater liegt nur ein Hauch. Mit dem Lüpfen einer Augenbraue hat man die Seiten gewechselt. Und in was für einem Krieg – zwischen Kunst und Kitsch, Qualität und Quote, Vernunft und Wahn, Ober- und Unterschicht! Ein Kampf um die Herzen der Zuschauer, um die Köpfe schon lange nicht mehr.
Steffen Seibert ist der größte, der tollste, der unverfrorenste Schmierendarsteller auf der Nachrichtenbühne.
Keiner Kollegin, keinem Kollegen gelingt es, sich die verlesene Nachricht so gnadenlos untertan zu machen, sie so restlos dem eigenen Gefühlshaushalt einzuverleiben, sich mit ihr in den Tiefen des Sonnengeflechts zu vereinigen und als ein Respekt und Mitgefühl gebietendes Gekröse wieder abzugeben. An Seibert können junge Schauspieler lernen, wie man spielt, dass man fühlt. Mitfühlt. Immer. Wie man die Zuschauer mitnimmt. Ihnen das eigene Gefühl als das ihre aufzwingt, als hätten sie nie ein eigenes besessen.
Iraker werden in der Luft zerrissen, Reformen werden wieder nichts, was Steffen Seibert an sich alles nichts ...
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Ein Biomediziner, der Frau und Kind Schweineherzen einpflanzt, um sich dereinst zum Retter der geklonten Menschheit auszurufen. Ein Terrorist, der ahnungslosen Hotelbettinsassen eine fette Knarre an den schlaftrunkenen Schädel drückt, um sich mal wieder wild und frei zu fühlen. Zwei Schauspieler, die dazu neigen, sprunghaft aus der Rolle zu fallen, um sich an...
Life sucks. Die vier Figuren in Katharina Schlenders neuem Stück «Rosige Zeiten» können ein Lied davon singen und tun dies auch im Verlauf des Abends noch zur Genüge. Sie heißen Bruno Butterbrot, Eddi Essig, Henry Heiser und Mila Mittenzwei und scheinen einem Kinderstück entsprungen, das wegen Überschreitung des Grenzwerts für chronische Depression keine...
Spröder kann ein Titel nicht sein. Aber natürlich versteckt sich darunter eine Idee, genauer gesagt: unter dem Linoleum ein Toter. Gespielt von einem lebendigen Schauspieler (Ulrich Haß); fast unmerklich hebt sich die Bauchdecke, zuckt eine Wimper. Irgendwann, viel später, wird der Tote nicht wirklich überraschend zu sprechen anfangen, vorerst aber, von den...
