Frankfurt: Warum, Amerika?
Mit Tracy Letts’ Dauerbrenner «Eine Familie (August: Osage County)», dem zeitgenössischen Amerika-Klassiker fürs Große Haus, verabschiedet sich Oliver Reese als Regisseur von Frankfurt. Ganz offensichtlich will er dem Publikum ein Schauspielerfest schenken, das gelingt dem 13-köpfigen Ensemble auch, und das Frankfurter Publikum dankt mit ausgiebiger Ovation.
Belustigende Höhepunkte sind ein Auflauf, der samt Form auf den Boden kracht und dann durchs Publikum spritzt, und ein Wels, der so heftig auf den Tisch geknallt wird, dass Teller und Fisch über die Bühne fliegen.
Corinna Kirchhoffs Violet Weston wird in ihrer Tablettenabhängigkeit visionär, in ihrer Härte groß – und alles ohne divenhafte Manierismen. Sie und Wolfgang Michael, hier Beverly Weston, sind in Frankfurt mittlerweile derart auf abgehalfterte Paare abonniert, dass ein Ortswechsel vielleicht nicht die falsche Option ist.
Constanze Becker als älteste Tochter Barbara beherrscht die Bühne souverän, mit Oliver Kraushaar als Gatte Bill fightet sie bis aufs Blut. Man gibt ihr bei keinem Satz Recht, versteht sie aber trotzdem Wort für Wort nur zu gut, so ist das in der Ehehölle. Fast alle Schauspielerinnen und Schauspieler ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2017
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Peter Michalzik
Manche Einsichten kommen leider (zu) spät. «Ich möchte mich entschuldigen», wendet sich eine zottelige Kreatur am Ende der «10 Gebote» ans Publikum des Deutschen Theaters Berlin und gesteht kleinlaut «Fehlleistungen, Hybris, Hochmut und Großmannsträumereien» ein. Dass es sich bei diesem flauschigen Kollegen mit dem leibhaftigen Schaf im Schlepptau um Gott...
Ein Rennbahnoval, umrandet von einer Bande mit Blinkerblümchen. An beiden Kopfenden Showportale, vor dem einen schweben Riesenballons mit Sternen und Streifen, das andere verblendet ein Riesenprospekt im Technicolorstil, darauf tanzen Zirkuslöwen mit Tangomädchen, manche zeigen auch nur die Pranken, oder sie reißen das Maul auf. Alles so quietschbunt hier. «A Great...
Es hat etwas Genüssliches, wie in diesem «Othello» das rassistische Vokabular für die Beleidigung von Schwarzen angesammelt wird. Neger, Nigger, Hottentott, Makake, Molukke, Kaffeesatz oder Urwaldkönig nennen Othellos Soldaten ihren Heerführer. Sie essen demonstrativ Nutella, das sie «Othella» nennen, und auch die neueste Version des Kolonialsprechs, mit dem weiße...
