So long, Marianne
Den Tod hat Ernst M. Binder schon als junger Mann aus nächster Nähe kennengelernt. Er war 21, als seine erste Ehefrau Marianne vom Balkon fiel. Vor dem Todessturz hatten die beiden noch Leonard Cohens düsteres Album «Songs of Love and Hate» gehört, dann war sie plötzlich weg. Nach dem Unglück adoptierte Binder den Namen seiner toten Frau – das M. steht für Marianne – und entwickelte eine Lebensgier, die ihn immer wieder an den Rand des Todes führte. Bis Anfang der achtziger Jahre war er heroinabhängig, später starker Trinker.
2007 war seine Leber am Ende, eine Transplantation rettete ihm damals das Leben. Die Nahtoderfahrung habe er als «sehr bereichernd» empfunden, sagte er danach in einem «Falter»-Interview. «Aber ich lebe wahnsinnig gerne, das steht außer Frage.»
Binders Jugend fiel in das Graz der wilden Siebziger; seine langen, meist zum Zopf gebundenen Haare hat er erst vor ein paar Jahren abschneiden lassen. Binder war eine Generation jünger als Wolfi Bauer und die anderen Grazer Platzhirsche, lebte aber mindestens so exzessiv – und war trotzdem enorm produktiv. Er veröffentlichte Texte in den «Manuskripten», brachte Lyrik- und Prosabände heraus, spielte Schlagzeug in einer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2017
Rubrik: Nachruf, Seite 71
von Wolfgang Kralicek
Eine kompakte rote Fassade, die den Blick auf die Bühne verstellt, mit einer Tür, die – natürlich – verschlossen ist. «Eternal Russia» steht über dem Türsturz, «Ewiges Russland». Ein Mitarbeiter öffnet die Tür und bittet hinein ins Geheimnis der Russischen Revolution, deren Jubiläum das Berliner HAU mit dem Festival «Utopische Realitäten – 100 Jahre Gegenwart mit...
Manche Einsichten kommen leider (zu) spät. «Ich möchte mich entschuldigen», wendet sich eine zottelige Kreatur am Ende der «10 Gebote» ans Publikum des Deutschen Theaters Berlin und gesteht kleinlaut «Fehlleistungen, Hybris, Hochmut und Großmannsträumereien» ein. Dass es sich bei diesem flauschigen Kollegen mit dem leibhaftigen Schaf im Schlepptau um Gott...
Nein, der Bühnen-Kurth, in letzter Zeit in Stuttgart etwa der weise Nathan oder der Handlungsreisende Willy Loman, ist untätowiert. Der Film-Peter ist es umso mehr. Sein massiger Körper ist eine große Spielfläche für Körpergrafiker, und Gezeichnete sind im Kino mittlerweile so etwas wie Peter Kurths Rollenprofil geworden. Wuchs ihm 2015 in «Die Kleinen und die...
