So long, Marianne

Die vielen Leben des Grazer Regisseurs und Autors Ernst M. Binder (1953–2017)

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Den Tod hat Ernst M. Binder schon als junger Mann aus nächster Nähe kennengelernt. Er war 21, als seine erste Ehefrau Marianne vom Balkon fiel. Vor dem Todessturz hatten die beiden noch Leonard Cohens düsteres Album «Songs of Love and Hate» gehört, dann war sie plötzlich weg. Nach dem Unglück adoptierte Binder den Namen seiner toten Frau – das M. steht für Marianne – und entwickelte eine Lebensgier, die ihn immer wieder an den Rand des Todes führte. Bis Anfang der achtziger Jahre war er heroinabhängig, später starker Trinker.

2007 war seine Leber am Ende, eine Transplantation rettete ihm damals das Leben. Die Nahtoderfahrung habe er als «sehr bereichernd» empfunden, sagte er danach in einem «Falter»-Interview. «Aber ich lebe wahnsinnig gerne, das steht außer Frage.»
Binders Jugend fiel in das Graz der wilden Siebziger; seine langen, meist zum Zopf gebundenen Haare hat er erst vor ein paar Jahren abschneiden lassen. Binder war eine Generation jünger als Wolfi Bauer und die anderen Grazer Platzhirsche, lebte aber mindestens so exzessiv – und war trotzdem enorm produktiv. Er veröffentlichte Texte in den «Manuskripten», brachte Lyrik- und Prosabände heraus, spielte Schlagzeug in einer ...

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Theater heute März 2017
Rubrik: Nachruf, Seite 71
von Wolfgang Kralicek

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