«Gehen wir essen!»
Würde man das griechische Theater der Gegenwart als «Hamlet» spielen, dann wären Anestis Azas und Prodromos Tsinikoris die ideale Besetzung für Rosenkranz und Güldenstern. Denn die beiden jungen bärtigen Männer sind grundverschieden und sich doch sehr ähnlich, sie sind immer freundlich, fast immer unterwegs, haben meistens einen Plan und sind sich nie ganz sicher in ihrer Autonomie. Dabei verwickeln sie sich hingebungsvoll in die Netzwerke der griechischen und der gesamten europäischen Szene und spielen mit den diversen Akteuren der Macht, ohne selbst die Könige zu sein.
Nur wenn es ans Eingemachte geht, haben sie – im Unterschied zu Shakespeares Duo – gelernt, nicht über Bord zu gehen, sondern notfalls «Toter Mann» zu spielen und so in den Stürmen und Attacken des gegenwärtigen Krisenszenarios in Griechenland zu überleben.
Seit einem Jahr bilden Prodromos Tsinikoris und Anestis Azas im Doppelpack die künstlerische Leitung der sogenannten «Experimentalbühne» am Nationaltheater Athen. Und genau genommen haben sie dies Syriza zu verdanken. Denn im Frühjahr 2015 hatte die neue Regierung nach ihrem historischen Wahlsieg den von der Nea Demokratia ernannten Intendanten des ...
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Theater heute März 2017
Rubrik: International, Seite 36
von Armin Kerber
Hinter der Rampe im kleinen weißen Kasten in der Box des Deutschen Theaters ein Abgrund, aus dem sich Hände recken, bevor sich drei Gestalten in Ganzkörper-Lederanzügen in abgestuften Brauntönen hochhangeln – das Unterirdische, jetzt kommt es nach oben.
Viel braucht András Dömötör nicht, um aus Alfred Jarrys 130 Jahre alter Despoten-Farce «König Ubu», entstanden aus...
Also, ich weiß jetzt gar nichts mehr, am liebsten ließe ich nur Plüschtiere, also Schauspielerinnen und Schauspieler als Plüschtiere auftreten, aber nie werde ich das bekommen! Das wollte ich für mein letztes Stück haben, ich finde nicht, daß das zuviel verlangt ist. Ich will es, ich will es. Aber Sie wollen mit Sicherheit was andres, bloß werden Sie...
In den vergangenen drei Jahren tourte die liebevoll gefakete Ausstellung «Domo de Europa Historio en Ekzilo» des belgischen Regisseurs Thomas Bellinck durch die Festivals, in der aus der Perspektive der nahen Zukunft auf die zerfallene EU zurückgeblickt wird. Ein ähnliches Szenario entwirft nun auch die Wiener Dramatikerin Miroslava Svolikova (geb. 1986) in ihrem...
