revolution
Eine kompakte rote Fassade, die den Blick auf die Bühne verstellt, mit einer Tür, die – natürlich – verschlossen ist. «Eternal Russia» steht über dem Türsturz, «Ewiges Russland». Ein Mitarbeiter öffnet die Tür und bittet hinein ins Geheimnis der Russischen Revolution, deren Jubiläum das Berliner HAU mit dem Festival «Utopische Realitäten – 100 Jahre Gegenwart mit Alexandra Kollontai» (die Vorzeige-Feministin der Sowjetunion) schon zu Beginn des Jahres feierte.
Das HAU, das in den letzten Spielzeiten mehrere Festivals über ikonische Linke – Karl Marx, Peter Weiss, Heiner Müller – oder linke Ideen veranstaltet hat und dabei oft affirmativer blieb, als es den Gegenständen gut tat, unterlief diesmal die drohende Revolutionsverkitschung, indem es die Auftaktinszenierung bei der der Kuratorin und Kritikerin Marina Davydowa und der Bühnenbildnerin Vera Martynow in Auftrag gab. Eine mutige Entscheidung, denn «Eternal Russia» ist das erste gemeinsame Theaterprojekt der beiden Russinnen.
Wer durch die rote Tür tritt, landet in einer Art Thronsaal, dessen schwarz-weiß gezackter Fußboden aus einer Vorhölle von David Lynch stammen muss. In der Mitte eine lange, festlich gedeckte Tafel mit ...
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Theater heute März 2017
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Eva Behrendt
1989 fanden in der Prager Nationalstraße Demonstrationen statt, die nach einigen Tagen in die sogenannte Samtene Revolution mündeten. Die einerseits das stalinistische Regime hinwegfegte, andererseits das Doppelstaatsgebilde Tschechoslowakei implodieren ließ und das Land einem radikalen Raubtierliberalismus aussetzte.
Besonders samten geht es bis heute zumindest...
Gleich zwei kaum noch gespielte Stücke hat man da in Dortmund fast zeitgleich ausgegraben. Wie um seine unbedingte Distanz zu Brecht noch zu betonen, lässt Sascha Hawemann in «Furcht und Elend des Dritten Reiches» hinter einem distanzierten Vorhang im Dauerloop Brecht-Fotos und -Filme aus den 30er Jahren abspielen – eine pädagogische Entsorgung als Che Guevara...
Was zeigt man, und was verbirgt man, was darf man sehen und was nicht? Fragen, die das Theater schon immer beschäftigt haben und die seit Kurzem durch die zweischneidigen Errungenschaften von Social Media und Big Data unweigerlich in unserem täglichen Leben angekommen sind, wo das Spektrum von Information und Neugier über Voyeurismus und Exhibitionismus...
