Erzählen, wie es wirklich war
O Gott, wenn die mich jetzt erschießen …» Es war Todesangst, die Heidelore Rutz packte, als man sie am 30. Juli 1975 nach einer Demonstration von Ausreisewilligen in Jena verhaftete und in den Keller einer Stasi-Station warf. Was folgte, waren die Qualen der Verhöre, der Angst, Ungewissheit, Gewalt; dann ein Prozess und jahrelanger Knast mit Schwerstarbeit im Akkord.
So war das im Menschengefängnis DDR. Wer aufmuckte, den traf als «Vaterlandsverräter» die Wucht einer menschenverachtenden Gesetzgebung.
Von diesem Grauen alltäglichen sozialistischen Terrors erzählen 15 Opfer, die sich eben nicht «besaufen können an Vergesslichkeit»: in dem dokumentarischen Theaterprojekt «Staats-Sicherheiten. Schicksale aus dem Gefängnis», initiiert von der Malerin Renate Kreibich-Fischer, der Publizistin Lea Rosh und uraufgeführt am Hans-Otto-Theater Potsdam mit deutschlandweit steigendem Interesse.
Kein Wunder! Diese Innenschau politischer Paranoia wird unter Clemens Bechtels Regie durch die beherrscht-sachlichen, gleichsam privaten, nie auswendig Gelerntes zitierenden Erinnerungs-Auftritte der Ex-Sträflinge weniger zum Anklage- als zum erschütternden, berührend würdevollen Aufklärungstheater. ...
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Die Comédie-Française ist das Theater Molières und noch immer eine von Frankreichs wichtigsten Bühnen: das «Théâtre français» oder kurz «le Français». Die Comédie-Française kämpft aber auch nach wie vor gegen einen verstaubten Ruf. Deklamationstheater, Beamtenschauspieler, Schnarchkunst – Muriel Mayette, seit zwei Jahren Intendantin, tut viel dagegen, sei es mit...
