Aufstand der Alten
Du hast mir mein Leben genommen, also nehme ich dir deins.» – Im Jahr 2018 erschießt eine alte Frau ihren Sohn, weil er sie in ein Seniorenheim bringen möchte. Von diesem real existierenden Fall ausgehend, entwickelt die finnische Autorin E. L.
Karhu einen irrwitzigen und anarchischen Text, der sich von der Realität loslöst, eine Utopie entwickelt – und nie seinen existenziellen Kern verliert: Kann man sich in unserer Gesellschaft die eigene Autonomie bewahren, gut altern, würdevoll sterben? In einer Zeit, in der das Weltgefüge von (zu) alten Männern bedroht wird, «Longevity» und Alterslosigkeit zum Ideal werden und eine immer älter werdende Gesellschaft einer eklatanten Pflegekrise ins Gesicht blickt? Und wie kann man eine Geschichte erzählen, derer man sich selbst nicht ganz sicher ist, weil die Erinnerung vielleicht fragmentiert ist? «Gerade jetzt erinnere ich mich nicht an alle Einzelheiten.»
E. L. Karhus Titelheldin Marian Blessing durchlebt eine radikale Selbstermächtigung, deren Erzählung sich kaum einem einzelnen Genre zuordnen lässt. Zuerst rekonstruiert sie in einem Bilderbogen ihr zurückgelassenes Leben mit ihrem Sohn, der nun erschossen als Leiche neben ihr am ...
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Theater heute Jahrbuch 2026
Rubrik: Neue Stücke, Seite 139
von Laura Mangels
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