Endlich frei!
Zuallererst ist da ein Haus. Ein Konstrukt. Ein System. Es beherbergt un -sere Geschichten. Manches erzählt es, vieles versteckt es. Man muss die Verstecke finden, um alle Geschichten zu entdecken. Nicht nur die, die beim ersten Anblick offenbar werden. Sondern auch die, die wir zunächst übersehen haben. Denn tief im Boden schlummern und grummeln sie.
Sivan Ben Yishai stellt sich vor dieses Haus, Heimat des Patriarchats, Herberge des weißen Feminismus, seine Mauern sind stabil. Sie betrachtet es. Sie schaut darunter. Sie öffnet seine Türen.
Kann man es umbauen? Sollte man es umbauen?
Im Titel ihres neuen Stücks, «Nora oder Wie man das Herrenhaus kompostiert», steht sie schon, die Antwort: Nein, man sollte dieses Haus nicht umbauen, man sollte es kompostieren. Also in seine Einzelteile, seine Atome, Teilchen zerlegen, besser noch, es sollte sich selbst zerlegen. Es soll sich zersetzen und zu Humus werden. Doch kann auf diesem Humus etwas Gutes wachsen? Ja, es kann.
Einer der ersten Sätze des Stücks bildet den Schlüssel hierzu: «I found myself / For the first time / In front of the house / Not part of it / For the first time / On the other side of the house / Just looking at it.» ...
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Theater heute Jahrbuch 2023
Rubrik: Neue Stücke, Seite 143
von Nora Khuon
Ganz allein für das Kind will sie eine Dampfnudel machen – zur Einschulung, für das große Fest, mit Schul -tüten und ganz viel Süßigkeiten. Saskia übt die berührende Rede vor dem Spiegel, baut verschiedene Pointen und Spannungsmomente ein, und ist selber ganz ergriffen. Doch gibt es zahlreiche Schwierigkeiten zu überwinden, bevor die Dampfnudel endlich auf dem...
Und natürlich könnte ich hier jetzt mit großer Geste die Utopie eines Theaters des Verzichts proklamieren. Was braucht es denn mehr als die paar Bretter, die die Welt bedeuten, und ein paar Leute, zur Not auch Lai:innen, die sich da rauf stellen, um uns hier unten zu belustigen. Wir packen ein paar Kostüme auf den Leiterwagen und ziehen los, ganz wie in alten...
Ein Lieblingssatz meiner Großmutter (Jahrgang 1923) war: «Besitz belastet.» Ein Gefühl, das jeder kennt, der in übervolle Kleiderschränke schaut oder sein Auto reparieren lassen muss. Freilich hatte meine Großmutter keine konsumkritische Haltung im Sinne, noch dachte sie an den gigantischen Ressourcenverbrauch im Dienste unserer heutigen Produktpaletten, die uns...
