Eine Frage der Perspektive
Leicht hat es das Hamburger Schauspielhaus schon eine ganze Weile nicht. Nach dem abrupten Ende der glücklosen fünfjährigen Intendanz Friedrich Schirmers im September 2010, begründet mit den Einsparungen, die Reinhard Stuth, der kürzest amtierende Kultursenator aller Zeiten, als Highlight seiner sechsmonatigen Amtszeit dem Schauspielhaus verordnete, gelang es den Interimsleitern Jack Kurfess und Florian Vogel zwar, die Kürzungen moderater zu verhandeln.
Doch künstlerisch ist bis zum Amtsantritt Karin Beiers 2013 der schwer zu steuernde Riesendampfer mit dem alten Ensemble im Interim schwer auf Kurs zu halten. Man versucht, das große Haus vollzukriegen, mit «Stars» wie Dominique Horwitz, der hier den Cyrano spielt, oder Stephan Kimmig, dessen Popularität in Hamburg aus seiner langen Arbeit am Thalia Theater resultiert, von dem er mit Ulrich Khuon nach Berlin wegzog. Jetzt ist er zurück, am Konkurrenzhaus und kassentauglich angepriesen als «Spezialist für den Mikrokosmos Familie». Familie geht immer, und die Familie im «Fall der Götter» steht für mehr als Kleinkrieg am Frühstückstisch: für Wirtschaft und Krise, die Themen der Stunde.
1969, 2000, 2011
Diese Familie heißt von ...
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Theater heute November 2011
Rubrik: AUFFÜHRUNGEN, Seite 21
von Barbara Burckhardt
Die Welt ist eine weiße Scheibe mit Absturzgefahr. Rausgebrochen aus einem Stück Himmel, das wie ein Heiligenschein über der Bühne schwebt (Bühne Claudia Kalinski). Alleinherrscher auf dieser Scheibe ist Minister von Walter (Moritz Dürr) als Stellvertreter des gottgleichen Präsidenten, der nie da ist, wie Sekretär Wurm (Oliver Simon) mit Blick nach oben anmerkt....
«Abendstunden in Demokratie» – so hieß der Titel eigentlich, der Titel der Neuausgabe von Heinz Berggruens Kolumnen aus der Nachkriegszeit. Es war ein Zitat aus einer Zeitungsanzeige, in der 1946 eine junge Büroangestellte entnazifizierungswilligen Herren Unterricht im Fach Demokratie (oder anderen, ähnlich promiskuitiven Praktiken) anbot. Durch Vertauschung der...
Eines muss man dem Hengst, einer tragenden Figur aus Lars-Ole Walburgs Hannoveraner Spielzeit-Eröffnungsinszenierung, lassen: Er müht sich redlich, keine der platterdings mit seinem Namen verbundenen Assoziationen auszulassen. Schon während die Zuschauer ihre Plätze einnehmen, hüpft der Rappe in einer durch und durch humanoiden Kombination aus Rocker- und...
