Paragrafen gegen Pferdeleben
Eines muss man dem Hengst, einer tragenden Figur aus Lars-Ole Walburgs Hannoveraner Spielzeit-Eröffnungsinszenierung, lassen: Er müht sich redlich, keine der platterdings mit seinem Namen verbundenen Assoziationen auszulassen. Schon während die Zuschauer ihre Plätze einnehmen, hüpft der Rappe in einer durch und durch humanoiden Kombination aus Rocker- und Biker-Outfit in Rampennähe herum und ignoriert wacker, dass sein prolliger Charme nicht jeder Frau Sache ist.
Seine Kollegin, die Stute, dehnt derweil im Hintergrund ihre schwarz bestrumpften Zuchtfesseln, wirft die glänzende Mähne hin und her und rückt die Ledershorts zurecht.
Leider wird der Abend für die ambitionierten, bei Katja Gaudard und Sebastian Schindegger adäquat menschelnden Nutztiere tragisch enden: Nach zwei Stunden läuft das Kunstblut in Rinnsalen an ihnen herab. Die Edel-Nylons sind zerrissen, die Mähnen stumpf, und dem Hengst fehlen die Hoden.
Wutbürger Kohlhaas
Die Verantwortung für dieses Desaster trägt der «Wutbürger» Michael Kohlhaas. Als solchen outete Walburg den Protagonisten aus Kleists Erzählung jüngst in einem Interview mit der «taz». Zur Erinnerung: Beim Kleistischen Pferdehändler, der beim ...
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Theater heute November 2011
Rubrik: AUFFÜHRUNGEN, Seite 32
von Christine Wahl
Am 11. März 2011 erschüttert ein Erdbeben der nie verzeichneten Stärke 9,0 den Nordosten Japans. Kurz darauf trifft eine ungeheure Tsunami-Welle auf die Küste.
Am Tag des Bebens wird von 133 Toten berichtet, am Folgetag von 686, nur wenige Wochen später haben sich die Schätzungen auf 28.000 Tote und viele Vermisste erhöht. Mittlerweile spricht man von 120.000...
«Abendstunden in Demokratie» – so hieß der Titel eigentlich, der Titel der Neuausgabe von Heinz Berggruens Kolumnen aus der Nachkriegszeit. Es war ein Zitat aus einer Zeitungsanzeige, in der 1946 eine junge Büroangestellte entnazifizierungswilligen Herren Unterricht im Fach Demokratie (oder anderen, ähnlich promiskuitiven Praktiken) anbot. Durch Vertauschung der...
Die Intendanzen am Residenztheater München und am Düsseldorfer Schauspielhaus suchen neue Perspektiven
Heinz Bennent – ein Nachruf
nächster Stückabdruck: Iwan Wyrypajew "Illusion"
Die Theaterzeitschrift im 52. Jahrgang
Gegründet von Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
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Friedrich Berlin Verlag
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Barbara Burckhardt
Franz Wille...
