Dresden: Bierjunge hängt
«Bierjunge!», ruft Jannik Hinsch alias Diederich Heßling seinem Gegenspieler, dem liberalen Anwalt Buck entgegen, der eben dem Publikum erklärt, dass Heßling als Untertan «der Typus seiner Zeit» sei. «Hängt!», brüllt es aus der letzten Publikumsreihe zurück. Hinsch und Lukas Rüppel, der als Buck davon träumt, Schauspieler in Berlin zu sein und dafür am liebsten in Heßlings Rolle schlüpfen würde – diese beiden ziehen vorn vor der Rampe zackig ihr Saufduell durch, bevor sie in Richtung letzte Reihe stürmen.
Dort sitzt tatsächlich ein Grüppchen Burschenschaftler in Couleur, und zu dritt vollführen sie mit dem «Hängt!»-Rufer ein komisches Ritual aus Trinkversen, Bierglasgeruder und Kampfschlucken. «Der könnte meine Rolle spielen!», schnaubt Hinsch-Heßling mit Blick auf den dritten Mann, der sein Glas in einem Zug geleert hat.
Das (halb?) improvisierte Intermezzo nach der Pause stellt mit einem Schlag eine Realitätsanbindung her, an der Jan-Christoph Gockels Roman-Inszenierung bis dahin etwas mühsam gebastelt hat. Denn so sehr man vielleicht und gerade in Dresden versucht ist, alle Burschenschaftler für rechts zu halten und alle Rechten für ängstliche Kinder, die sich nach autoritären ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Man will doch nicht von einem Gerät umgebracht werden», poltert Peter Anders. Er muss es wissen, der Mann hat gedient. Sätze wie dieser, die schon in sich so komisch widersprüchlich sind, dass man sich wundert, dass am Ende der Punkt hält, gehen beim Lesen des erklärfreudigen Kampfroboter-Kammerspiels «Im Schatten kalter Sterne» von Christoph Nußbaumeder fast...
Im neuen Pollesch spielt eine Drehbühne mit.» So beginnt auf «nachtkritik» die Rezension zu «Die Revolver der Überschüsse» 2013 in Stuttgart. «Mal zickt sie herum, mal kreist sie elegant um sich selbst. Eine echte Diva eben.» Der Kollege von der «Stuttgarter Zeitung» gerät bei Janina Audicks «Wimmel-Bühnenbild aus vielen Gebäudeteilen mit lauter verwegenen Spitzen,...
Es entbehrt natürlich nicht einer wohlkalkulierten Ironie, dass sich Zoe ausgerechnet an diesen Punkt des Universums begeben hat, um den Weltuntergang abzufeiern: Sie steht vor den «Quellen der Unsterblichkeit», einer tiefen Erdspalte mitten in der Wüste von Nevada. Hier sollen sich – so will es Robert Woelfls jüngstes Stück «Überfluss Wüste» – schon Bill Gates,...
