Das Gegenteil von Museum
Im neuen Pollesch spielt eine Drehbühne mit.» So beginnt auf «nachtkritik» die Rezension zu «Die Revolver der Überschüsse» 2013 in Stuttgart. «Mal zickt sie herum, mal kreist sie elegant um sich selbst. Eine echte Diva eben.» Der Kollege von der «Stuttgarter Zeitung» gerät bei Janina Audicks «Wimmel-Bühnenbild aus vielen Gebäudeteilen mit lauter verwegenen Spitzen, Triolen und Diagonalen» in geradezu existenzielles Schwärmen.
Es kreise «immer wieder an uns vorbei, verheißt uns Wechsel und Veränderung, Fluss des Lebens und der Gezeiten – obwohl ja letztlich immer alles nur gleich bleibt und wiederkehrt. Allein für diese Idee, dieses Bild lohnt sich schon der ganze Abend.» Ganz oben auf die konstruktivistisch anmutenden Raumelemente hat die Bühnenbildnerin eine Leuchtschrift platziert, die auffallend schräg im Gesamtbild hängt: «TALENT».
Dass auch das erste Arbeitsbuch, das einen Überblick über 20 Jahre Bühnen- und Kostümbilder von Janina Audick verspricht, «Talent» heißt, überrascht also erst einmal nicht. Doch der Titel ist nicht einfach Selbstzitat, sondern Geste der Appropriation: «Talent haben normalerweise die Männer», schreibt die Videokünstlerin Constanze Ruhm in der ...
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