Die neue Wirklichkeit ersprechen
Der Krieg ist vorbei. Eine Schlagzeile oder die Beschreibung eines historischen Moments. Ein Satz, nach dem Menschen auf den Straßen tanzen, sich küssen, auf Panzer klettern und Champagnerflaschen gegen Mauern schlagen.
Der Krieg ist vorbei! Jakob Noltes neues Stück «Der Krieg ist vorbei» beginnt genau dort, wo der histo -rische Moment zur Performance wird. Eine Politikerin soll verkünden, dass der Krieg vorbei ist.
Aber wie sagt man das? Und zwar so, dass es auch alle glauben? Wie spricht man eine Wirklichkeit aus, die noch nicht ganz Wirklichkeit geworden ist? Oder schlimmer: die vielleicht nur eine Behauptung ist, eine Sehnsucht, eine sprachliche Vorwegnahme? Also müssen Expert:innen ran. Denn wer, wenn nicht das Theater, kennt sich mit der Konstruktion von Wirklichkeit aus?
Es wird geübt. Nach den richtigen Formulierungen gesucht. Weitere Figuren aus Theater, Politik und Wirtschaft treten auf, probieren sich aus, formulieren neu, setzen an, scheitern, verwechseln Bomben mit Kartoffeln, beginnen von vorn. Die Nachricht wird wiederholt, zerlegt, neu zusammengesetzt. Der Krieg ist vorbei. Noch einmal. Und noch einmal. Jetzt wirklich.
Aber während die Figuren versuchen, das Ende ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2026
Rubrik: Neue Stücke, Seite 150
von Valerie Göring
Links ein Asia-Shop, rechts eine Absturzkneipe mit vorgelagerter Sitzbank für dauerbetrunkene Zeitgenossen, und in der Mitte ein Wohnhaus für den zentralen Cast: ein heimelig-windschief wirkendes Backsteingebäude, in dessen erstem Stock sich die alleinerziehende Åse Gynt gern mal bei der Blumenkastenpflege auf einem französischen Balkon sehen lässt, während ihr...
Es ist wahr, dass die Gegenwart in die Vergangenheit schaut, dass jene gesellschaftlichen Kräfte enormen Aufwind, wenn nicht sogar eine kulturelle Dominanz zu gewinnen beginnen, die eigentlich alle emanzipatorischen Projekte der vergangenen Jahre und Jahrzehnte für beendet erklären möchten. Kräfte, die zwar vorgeben, Fortschritt zu wollen, zum Wohle aller,...
Sie wartet, bis es dunkel wird. Sie wartet noch ein bisschen. Dann schließt sie die Augen und taucht ein. Sie schwimmt durch den Grenzfluss, von der Türkei nach Griechenland – tatsächlich, sie schwimmt einfach so von einem Land ins nächste, und keiner hält sie auf. Sie erreicht das andere Ufer. Sie legt eine Hand auf ihren Bauch. Etwas in ihr lebt.
In Mazlum...
