Wir können noch

Caren Jeß hat keinen Bock auf Kapitulation und will die Räume der Kunstfreiheit verteidigen

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Vielleicht haben wir einen Fehler gemacht. Damals in der Pandemie, als wir uns fragten, welche Berufe für den Erhalt unserer Gesellschaft notwendig seien und welche nicht. Vielleicht war unser Eingeständnis, künstlerische Arbeit sei nicht systemrelevant, voreilig. Zu jovial vielleicht, zu wohlfeil – wie sich der Künstler gern mal gibt. Bescheidenheit dient ihm als kompensatorisches Gegen -gewicht zum Applaus, «klar, die anderen sind wichtiger». Die Pandemie ist vorbei, aber der Abdruck des Relevanzmangels ist noch erkennbar.

Gegenwärtig bedrohen Kürzungen und Einsparungen die Kulturszene. Die Sorge vor kulturpolitischen Eingriffen wächst. Und mit den finanziellen Einschnitten wird der Konkurrenzkampf intensiviert. Die Dynamik des Wettbewerbs, der wir als Künstler:innen ohnehin ausgesetzt sind, wird mobilisiert. Wenn die Räume der Kunst enger werden, expandiert das toxische Soziotop aus Klüngel und Gossip. Wer mit wem, weshalb, warum, und obwohl es anders verabredet war – es wird schlecht geredet, immer und gern auch über Menschen, die man nicht kennt, über Vorgänge, an denen man nicht beteiligt war. Hierin zeigt sich eine besonders kapriziöse Form der Selbstzersetzung. Wir ...

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Theater heute Jahrbuch 2026
Rubrik: Was tun?, Seite 45
von Caren Jeß

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