Der Krieg zieht sich hin
Der Planwagen der Marketenderin Anna Fierling, sagt der aus Togo stammende Regisseur Ramses Alfa, erinnere ihn immer an die Erntehelferinnen oder Straßenverkäuferinnen, die in seiner Heimatstadt Lomé auf der Suche nach Kundschaft mit schwerem Gepäck aus Limonaden, Früchten und Stoffen um die Häuser ziehen, um ihren Familien ein minimales Einkommen zu sichern.
Und so sah man auf der Brechtbühne in Augsburg eine Truppe schwarzer Schauspieler, gekleidet in leuchtend bunte Stoffe: Sie spielten Brechts «Mutter Courage» und spielten doch auch eine Geschichte aus ihrem Land, in der es um das Überleben der einfachen Menschen in Zeiten unmenschlicher Kriegszustände geht.
Der Kontrast zwischen dem (französisch gesprochenen) originalen Text und den Bildern aus einer fremd anmutenden Welt schien gewaltig und zeigte doch gleichzeitig auch, wie austauschbar die Schicksale sind. «Volkstümlich» nennt Alfa Bertolt Brechts Arbeit da, sieht Parallelen zu afrikanischen Volksdramen und meint damit, dass die sozialen Schieflagen sich über Jahrzehnte und über alle Grenzen hinweg nicht verändert, schon gar nicht gebessert hätten. Auch seine Courage profitiert von der Nähe zur Macht und scheitert an deren ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2022
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Bernd Noack
Die katholische Maria Stuart weigert sich stolz, auf ihren englischen Thronanspruch zu verzichten und hat vielleicht auch ein, zwei Ehemänner um die Ecke gebracht. Ihre protestantische Ri -valin, Elisabeth I., als uneheliches Kind stets im Rechtfertigungsmodus und dennoch 45 Jahre lang Inhaberin der britischen Krone, fühlt sich bedroht – dieser Stoff hat nicht nur...
7. März 2022
Ich habe diese Zeilen so lange wie möglich aufgeschoben. Ihr habt keine Ahnung, wie viele Fragen mir gestellt werden:
– Warum gehst du nicht? Bist Du noch immer in Kiew?? – Denk an dich! Du musst leben! Wir brauchen dich!
– Bist Du verrückt geworden? Wir besorgen Dir ein gepanzertes Fahrzeug, um euch rauszuholen, Du wärest nicht die Letzte,...
Radikal auf sechs Tage verkürzt war diese zweiten Pandemie-Berlinale, in der sämtliche Besucher eingehegt waren in Sicherheitsmaßnahmen: 2G+ für die Presse, auch die geboosterte, zusätzlich die tägliche Testpflicht; halbleere Kinosäle, keine Partys, kein Gedrängel am roten Teppich, Glamourfaktor gegen Null. Von den 350 Filmen der schon im letzten Jahr stark...
